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Norwegen

Mit Hightech wikingerzeitliche Siedlung aufgespürt

Mit Hightech wikingerzeitliche Siedlung aufgespürt

Ohne zu graben, haben Archäologen im norwegischen Sandefjord mindestens 15 Wohnhäuser, eine Hafenanlage und Grabhügel aus der Wikingerzeit entdeckt – und zwar allein durch den Einsatz moderner, oberirdischer Suchtechniken.

Luftbild
In das Luftbild … | … sind die Siedlungsreste und Grabanlagen aus dem 9. Jahrhundert eingezeichnet, die Archäologen mit Bodenradargeräten und Magnetometern entdeckten. Wo heute in Sandefjord Weizen wächst, verlief damals auf Grund des höheren Meeresspiegels die Küstenlinie – dort fanden sich die Überreste einer Hafenanlage.

Neben den Gebäuden, deren Grundrisse zwischen 5 mal 6 und 12 mal 18 Meter groß sind, fanden die Forscher außerdem mehrere Grabhügel, eine etwa 80 Meter lange Straße sowie eine Hafenanlage. Wie der leitende Archäologe Knut Paasche vom Norwegischen Institut für Kulturerbeforschung in Oslo annimmt, stammt die neu entdeckte Siedlung aus dem 9. Jahrhundert. Der Forscher beschreibt sie als "eine stadtähnliche Struktur mit vielen kleinen Häusern, die planmäßig nebeneinandergebaut wurden".

In der Gegend von Sandefjord waren schon früher Gräber und Schiffsbestattungen der Wikinger entdeckt worden. Die Umgebung sei "eine der spannendsten archäologischen Stätten in Skandinavien", so Paasche. Bisher gelangten jedoch nur wenige Funde, etwa bei Straßenbauarbeiten, an die Oberfläche. Anstatt aufwändige Suchgrabungen durchzuführen, holten sich die norwegischen Wissenschaftler Unterstützung von dem Archäologen Wolfgang Neubauer vom Ludwig Boltzmann Institut für Archäologische Prospektion und Virtuelle Archäologie in Wien, der sich auf die zerstörungsfreie Untersuchung von Bodendenkmälern spezialisiert hat.

Magnetometer statt Pflug
Magnetometer statt Pflug … | … zieht hier der Archäologe Lars Gustavsen über ein Feld nahe dem Hügelgrab Gokstadhaugen (im Hintergrund). Das Gerät misst kleinste Veränderungen des Erdmagnetfelds, die etwa durch das Ausheben von Mauergräben oder Erdgruben hervorgerufen wurden.

Mit einem Georadargerät können die Wiener Forscher ein dreidimensionales Computerbild erstellen, beispielsweise von Mauerresten, die sich noch im Boden befinden. Ferner lassen sich mit dem Magnetometer Störungen des Erdmagnetfelds messen, die durch das Ausgraben von Fundamentgräben, Pfostenlöchern oder das Anlegen von Feuerstellen entstanden sind. Wie im Fall der Wikingersiedlung von Sandefjord liefern diese Methoden allerdings keine genauen Angaben über die Bauweise der Häuser – dafür werden die Archäologen im Sommer zu altbewährten Methoden greifen und das Areal ausgraben.

Die heutige Osloer Bucht war zur Wikingerzeit ein wichtiges Zentrum für Handel und Küstenschifffahrt. Ganz in der Nähe der Fundstelle befindet sich auch das Hügelgrab Gokstadhaugen, bei dem bereits 1880 ein imposantes Wikingerschiff aus dem ausgehenden 9. Jahrhundert zum Vorschein kam.

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