Jährlich erleiden 20 Millionen Menschen einen Schlaganfall. Oft werden dabei Gehirnareale beschädigt, die das Bewegungs- oder Sprachvermögen steuern. Das beeinträchtigt nicht selten die Lebensqualität, langwierige Rehabilitationsmaßnahmen sind die Folge.

Eine offenbar günstige Methode, diese Bewegungseinschränkungen zu behandeln, ist die so genannte "rhythmisch-akustische Stimulation" (RAS). Zu diesem Schluss kommen jedenfalls Wissenschaftler der Temple University in Philadelphia, nachdem sie sieben Studien verglichen haben, an denen insgesamt 184 Patienten teilgenommen hatten. Bei der RAS – einer Art Gangtraining mit Musik – sollen sich Patienten zu einem bestimmten Rhythmus bewegen.

In vier der untersuchten Studien wurden ausschließlich Schlaganfallpatienten mit einer Musiktherapie behandelt, bei dreien davon war dies die RAS-Therapie. Der Vergleich mit den Erfolgsaussichten herkömmlicher Bewegungstherapiemaßnahmen zeigte, dass Patienten nach erfolgter RAS-Therapie zügiger gehen konnten und zu größeren Schritten fähig waren. Bei einer Untersuchung verbesserte sich sogar die Ellbogenstreckung. "Das ist ein ermutigendes Ergebnis", so Studienleiter Joke Bradt. Er sieht im Rhythmus den Schlüssel für eine erfolgreiche Musiktherapie bei Schlaganfällen.

Ob musiktherapeutische Methoden auch zur Sprachförderung, Schmerzlinderung oder der Verhaltenstherapie bei Menschen mit Gehirnverletzungen eingesetzt werden können, bleibe angesichts der bisherigen Studienlage offen, meinen Bradt und Kollegen. Zwar hätten einige Untersuchungen viel versprechende Ergebnisse geliefert. In der Gesamtheit sei die Aussagekraft aber eingeschränkt. Einige der Studien hätten mitunter nicht einmal 20 Teilnehmer einbezogen. (nw)