In der kleinen Ortschaft Collooney an der irischen Westküste hatten Stürme eine uralte Buche umgeworfen – und den örtlichen Archäologen so zu einer unverhofften Entdeckung verholfen: Halb in der freigelegten Erde, halb in der Luft hängend fanden sie das Skelett eines jungen Mannes. Der 215 Jahre alte Baum war über dem Grab gewachsen und hatte die sterblichen Überreste mit seinen Wurzeln überwuchert.

Wie die Wissenschaftler des Sligo-Leitrim Archaeological Services unter anderem auf ihrer Facebookseite berichten, ergaben Radiokarbondatierungen, dass die Bestattung zwischen 1030 und 1200 stattfand. Nach der Bergung der Überreste erkannte die Osteoarchäologin Linda Lynch, dass es sich bei dem Toten um einen Mann im Alter von 17 bis 20 Jahren handelte, so die "Irish Times". Nun soll er eingehender untersucht werden.

Die untere Hälfte
© Thorsten Kahlert, Institute of Technology Sligo
(Ausschnitt)
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Der Unterkörper des jungen Manns verblieb beim Sturz des Baums im Boden, Oberkörper und Kopf wurden dagegen mit nach oben gerissen.

Zwei Messerstichverletzungen in der Brust und eine in der Hand legen nahe, dass er einen gewaltsamen Tod fand. Allerdings wurde er nach den Bräuchen der Zeit christlich bestattet. Viele Jahrhunderte später begann dann die Buche auf seinem Grab zu wachsen.

Funde wie diese sind für sich genommen aus wissenschaftlicher Sicht nicht sonderlich aufschlussreich, tragen jedoch in ihrer Gesamtheit erheblich dazu bei, unser Bild von der Vergangenheit zu komplettieren. Dank einer statistischen Auswertung der Häufigkeit von Funden eines bestimmten Alters helfen Wissenschaftler beispielsweise dabei, auf Veränderungen in der Bevölkerungsdichte zurückzurechnen. Auch geben Anzeichen von Krankheit und Verletzungen Auskunft über die damaligen Lebensbedingungen und das Ausmaß von Gewalt im europäischen Mittelalter.