Längsgestreift oder quer: Bei den Seitenfleckleguanen (Uta stansburiana) entscheidet die Mama über die Optik ihrer Sprösslinge. Sie prägt das Rückenmuster ihres Nachwuchses, indem sie unter bestimmten Lebensumständen ihren Eiern eine Extraportion des Hormons Östradiol hinzufügt. Dies sei das erste Beispiel dafür, dass mütterliche Hormone derart fundamentale Aspekte in der Erscheinung ihrer Nachkommen verändern können, so Lesley Lancaster von der Universität von Kalifornien in Santa Cruz. Noch außergewöhnlicher sei die Tatsache, dass die Weibchen dabei verschiedene Muster zur Auswahl hätten.

Rückenmuster
© Lesley Lancaster
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernRückenmuster
Hintergrund dürfte sein, dass die Tiere, die in den ariden Zonen im Westen der USA leben und gerade einmal von Kopf bis Schwanz 17 Zentimeter messen, ihren Nachkommen optimale Tarnchancen ermöglichen können. Und diese hängen von der Lebensweise ab, von drei drei Varianten bekannt sind und sich an der Kehlfärbung erkennen lassen. Männchen mit orange farbiger Halsunterseite verhalten sich demnach meist auffällig aggressiv und territorial. Gelbgefärbte Halsunterseiten zeichnen Tiere aus, die gerne in fremde Reviere schlüpfen und sich mit den dortigen Weibchen paaren. Blaue Kehlen seien bei Seitenfleckleguan-Männern aufgefallen, die bei der Revierverteidigung miteinander kooperierten.

Je nach Strategie brauchen die Tiere verschiedene Tarntrachten, um Fressfeinden zu entgehen. Der gelbe Schleicher versteckt sich gern, und dafür eignen sich Querstreifen, durch die sein Körper optisch mit dem Untergrund verschmilzt. Orangefarbene Aggressoren dagegen verbringen viel Zeit in offenem Gelände. Ihnen sind Längsstreifen beim Entwischen förderlich, denn sie lassen sich schnell bewegende Objekte optisch verschwimmen.

Jungtiere
© Lesley Lancaster
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernJungtiere
Doch sind die Gene, die Verhalten und Muster bestimmen, nicht miteinander verknüpft. Wie Lancaster jetzt in Labor- und Freilandversuchen zeigen konnte, existieren zwei Pfade, bei denen eine Extraportion Östradiol von der Mutter dieses Problem löst. Bei dem ersten erhöht die werdende Leguanmutter die Dosis, wenn ihr Partner eine gelbe Kehle hatte. Durch das Hormon erscheint das Balkenmuster auf dem Rücken ihrer gelbhalsigen Sprösslinge. Im zweiten Fall wurde das Extrahormon hinzugegeben bei einer Überfülle von orangehalsigen Männchen in der Umgebung des Weibchens. Bei den orangehalsigen Söhnen erschien dann ein Streifenmuster auf dem Rücken. Dieses Muster trat auch bei den unscheinbar gefärbteren Töchtern auf. Gene für gelben Hals blockierten der Studie zufolge beide Effekte.

Dies sei ein klassisches Beispiel des Zusammenspiels von Genen und Umwelteinflüssen, so Lancaster. Die Extradosis Hormon wirke auf das ganze Gelege, doch auf unterschiedliche Weise für die Nachkommen, die von ihrer Halsfärbung abhängt. So könne ein Weibchen mit einem Gelege sowohl längs als auch quer gestreiften Nachwuchs in die Welt setzen. (bf)