Beim Musikhören offenbaren sich die Schaltkreise im menschlichen Hirn, die mit dem systematischen Sortieren der akustischen Informationsflut zusammenhängen, besonders gut. Zu diesem Ergebnis kommt eine Forschergruppe um Vinod Menon von der Universität Stanford. Gerade bei musikalischen Wechseln von Tempo, Tonart oder Rhythmus habe die Aufmerksamkeit aller Probanden ein Maximum gezeigt – sie sei praktisch eingefangen worden, so Menon.

Im Experiment wurden 18 Versuchsteilnehmern kurze Symphonien des englischen Komponisten William Boyce (1711-1779) vorgespielt. Gleichzeitig wurde mittels Magnetresonanztomografie der Blutfluss in unterschiedlichen Hirnregionen gemessen, um deren Aktivität zu analysieren. Dabei konzentrierten sich die Hirnforscher in ihrer Auswertung auf die zehn Sekunden, die musikalische Wechsel umgaben. Sie identifizierten zwei voneinander getrennte Schaltkreise – einen im ventralen, den anderen im dorsalen präfrontalen Kortex der rechten Hirnhälfte –, wobei die ventrale Aktivität der dorsalen voranging. Die Forscher sehen in der Studie zudem einen Hinweis darauf, dass die rechte Hemisphäre eine dominante Rolle bei der strukturellen Wahrnehmung von Musik spielt.

Wissenschaftlich besonders erfreulich sei die Tatsache, dass diese deutlichen Ergebnisse unter Einsatz von Musik zu Stande gekommen seien, die einen alltäglichen, natürlichen Stimulus darstelle, so die Mediziner. Vergangene Studien hätten gezeigt, dass Neuronen auf einfache, kontrollierte Stimuli im Labor häufig anders reagierten als unter natürlichen Bedingungen, derartige Studien also keine zuverlässigen Resultate lieferten. (lp)