Senklochseen in Sibirien
© NASA Earth Observatory / Jesse Allen / USGS
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Mitte Juli entdeckten Rentierhirten in den Weiten Nordsibiriens einen mysteriösen Krater mit einem Durchmesser von 80 Metern, dessen Grund kaum sichtbar war. Seitdem stießen Beobachter vor Ort auf zwei weitere, teils noch größere Krater, was die Spekulationen anheizte. Schnell stellte sich heraus, dass es sich nicht um Meteoriteneinschläge handelte. Klassische Senklöcher, wie sie im Permafrost der Tundra immer wieder auftreten können, scheiden nach ersten Analysen jedoch auch aus: Rund um den Kraterrand ist Auswurfmaterial angehäufelt, was für eine explosive Entstehung spricht. Stattdessen handele es sich wohl um eine Kombination verschiedener Ereignisse, so der russische Geophysiker Vladimir Romanovsky gegenüber Scientific American.

Demnach schmolz zuerst ein so genannter Pingo, ein großer, mit Erde bedeckter Eiskern, wodurch ein wassergefüllter Hohlraum im Boden entstand. Eine Zeit lang sorgte der gefrorene Boden im Umfeld dafür, dass das Schmelzwasser nicht abfloss. Dafür sickerte langsam Methan in die Blase ein und baute Druck auf, bis dieser sich explosionsartig entlud. Dadurch wurde Erde herausgeschleudert, die sich am Kraterrand ablagerte. Möglicherweise entstand das zuerst bekannt gewordene Loch sogar schon vor einigen Jahren, da das Erdmaterial bereits mit Pflanzen bewachsen sei, die sich nicht erst jetzt angesiedelt haben, so die beteiligten Forscher. Das könne man aber erst durch Vergleich von Satellitenbildern feststellen, so Romanovsky. Fraglich bleibt allerdings, woher die nötige Methanmenge für die Explosion stammte und ob dieser Prozess häufiger abläuft beziehungsweise durch die Erderwärmung in Gang gesetzt wurde. Die beiden letzten Sommer fielen im Schnitt jeweils etwa fünf Grad Celsius wärmer aus als der langjährige Durchschnitt. Auf der sibirischen Yamal-Halbinsel, wo das erste Loch auftauchte, finden sich zahlreiche kreisrunde kleine Seen, die auf diese Weise entstanden sein könnten. Zudem erstrecken sich in der Tiefe größere Erdgasfelder, die womöglich den nötigen "Sprengstoffliefern" liefern. Eine Expedition soll bald bei der Aufklärung helfen.