Das Skelett weiblicher Menschen integrierte im Laufe der Evolution Detailverbesserungen, um die massiv veränderten Gewichtsverhältnisse des Zweibeiner-Körpers während der Schwangerschaften auszubalancieren, berichten Daniel Lieberman und seine Kollegen von der Harvard Universität. Ohne diese im auf dem Weg zum Zweibeiner entstandenen Umbauten wären schwangere Frauen wenig beweglich und ihre Statik gefährlich instabil, meinen die Wissenschaftler.

An den Skeletten weiblicher Homo sapiens sowie Australopithecinen erkannten die Forscher speziell verstärkte und gekrümmte untere Wirbelknochen, die männlichen Exemplaren und Affen ganz fehlen. Die besonderen Lendenwirbel ermöglichen eine ausgeprägte Biegung des unteren Rückrats, die wiederum den insgesamt nach vorne verschobenen Schwerpunkt des Körpers während der Schwangerschaft kompensatorisch zurück über die stützenden Beine verlagert.

Die typisch weibliche Lendenwirbelkurvatur gleiche damit einen Nachteil aus, den sich schwangere Vormenschen mit den Vorteilen des von der Skelettstatik her anspruchsvollen aufrechten Ganges auf zwei Beinen eingehandelt hatten. Bei vierbeinigen Primaten stellte eine Gewichtsveränderung während der Schwangerschaft deutlich wenige Anforderungen, da sich der Schwerpunkt hier trotz des Zusatzgewichtes des Fötus kaum verlagert.

Zweibeinige weibliche Vor- und Frühmenschen konnten wohl nur mithilfe des Lendenwirbelumbaus auch während der Schwangerschaft relativ rückenschmerzfrei Nahrung sammeln und Räubern ausweichen, spekulieren die Forscher. (jo)