Warum ist die Korona unserer Sonne mehr als 1000-mal so heiß wie ihre Oberfläche? Letztere ist nur rund 5600 Grad Celsius heiß, die Korona, das direkte Umfeld der Sonne, hingegen mehrere Millionen Grad. Seit Langem haben Forscher so genannte Nanoflares in Verdacht: ständige winzige Sonneneruptionen, die sehr viel Energie in die Korona transportieren, mit üblichen Messinstrumenten jedoch nicht aufgelöst werden können. Nun haben Wissenschaftler einen Röntgensensor an Bord einer Höhenforschungsrakete genutzt, um die Spuren von Nanoflares aufzufangen.

Das Team um Shin-nosuke Ishikawa von der japanischen Raumfahrtbehörde JAXA registrierte bei einem Flug im Jahr 2014 harte Röntgenstrahlung in einem Bereich der Sonnenoberfläche, der zwar aktiv, aber nicht Schauplatz einer gewöhnlichen Sonneneruption war. Den Forschern zufolge geht die Strahlung auf Plasma mit Temperaturen von zehn Millionen Grad Celsius zurück – das bedeutet, das ionisierte Gas in dieser Region war noch einmal heißer, als es die Sonnenkorona im Durchschnitt ist. Solche Messwerte würden sich ihren Modellrechnungen zufolge am ehesten mit dem Vorhandensein von Nanoflares erklären lassen, so die Forscher im Journal "Nature Astronomy".

Nanoflares entstehen wie alle Sonneneruptionen durch eine lokale Reorganisation der Magnetfeldlinien, wobei Plasma bogenförmig in die Sonnenumgebung geschleudert wird. Während große Sonneneruptionen ein eindrucksvolles Schauspiel abgeben, sind die Nano- und Mikroflares zu klein, um derart sichtbar zu werden. Für die hohe Temperatur der Sonnenkorona machen manche Forscher allerdings auch andere Prozesse verantwortlich, so zum Beispiel Stoßwellen oder Plasmajets.