Mit Hilfe von Röntgenfluoreszenz hat eine Arbeitsgruppe um Andreas Luch vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) die Bestandteile von Tattoopigmenten im menschlichen Körper verfolgt. Demnach landet ein beträchtlicher Teil der Farben aus der Haut in anderem Gewebe, besonders den Lymphknoten, berichtet sie in "Scientific Reports". Problematisch daran ist die Größe der Teilchen: Während mikrometergroße Pigmentkörnchen wie vorgesehen in der Haut bleiben, lösen sich vor allem Nanoteilchen und wandern in Blut und Lymphe durch den ganzen Körper. Diese Nanoteilchen verhalten sich wegen ihrer geringen Größe chemisch manchmal anders als größere Partikel, so dass völlig unklar ist, welche Gefahr von ihnen ausgeht.

Beim Tätowieren injiziert man eine Mischung aus Trägerflüssigkeit und Pigment in die Lederhaut. Welche Farbstoffe dabei zum Einsatz kommen, ist bisher nur zum Teil reguliert; verboten sind zum Beispiel bestimmte Azofarbstoffe und p-Phenylendiamin. Es gibt aber keine Positivliste der sicheren Farbstoffe – eine verlässliche Risikobewertung von Tätowiermitteln sei wegen fehlender Daten nicht möglich, stellte das BfR 2013 fest. Luch und seine Gruppe verwendeten Proben von Haut und Lymphknoten Verstorbener, um die Verteilung der Farbstoffe aus der Haut im Körper zu messen.

Bereits 2005 zeigte sich in Tierversuchen, dass sich Tattoofarben in den Lymphknoten anreichern. Das Team hat nun gezeigt, dass tatsächlich die Pigmente in der Haut die Quelle von Verunreinigungen in den Lymphknoten sind. Die Tätowierungen erhöhten dort demnach die Konzentration von Metallen wie Chrom, Nickel, Kupfer und Titan. Zusätzlich scheinen kleine Partikel im Nanometermaßstab bevorzugt aus der Haut in den Rest des Körpers zu wandern.