Im Abstand von zwei Jahren trifft sich das Senior Review Committee (SRC) der NASA und beurteilt die großen Weltraumteleskope der US-Raumfahrtbehörde nach ihrer bisherigen wissenschaftlichen Leistung und ihrem wissenschaftlichen Potenzial. Basierend auf diesen Daten spricht das Komitee Empfehlungen zu der weiteren Finanzierung der Missionen aus. Mit den bekannten Kürzungen des NASA-Budgets war der diesjährigen Entscheidung besondere Aufmerksamkeit gewiss. Das SRC empfahl nun im abschließenden Beratungsbericht, alle neun betrachteten Missionen mindestens bis 2014 zu finanzieren.

Die Liste der überprüften NASA-Missionen liest sich wie ein "Who's Who?" der Weltraumteleskope, und demonstriert die enorme Präsenz der US-Raumfahrtbehörde: das Röntgenobservatorium Chandra, das Gammastrahlenteleskop Fermi, das Hubble-Weltraumteleskop, die Exoplanetenmission Kepler, das Mikrowellenobservatorium Planck, Swift zur Beobachtung von Gammastrahlenausbrüchen, das Infrarotteleskop Spitzer und das Röntgenteleskop XMM-Newton, das von der europäischen Raumfahrtbehörde ESA betrieben wird. Gemeinsam mit der japanischen Raumfahrtorganisation JAXA finanziert die NASA zudem eine weitere Röntgenmission namens Suzaku.

All diese Missionen wurden vom SRC nun unter die Lupe genommen. Dabei wurde nicht nur die in den vergangenen Jahren geleistete wissenschaftliche Arbeit der Missionen beurteilt, sondern auch ihr Platz im Gesamtprogramm der NASA berücksichtigt. Da abgesehen vom James-Webb-Weltraumteleskop keine weiteren großen NASA-Missionen in diesem Jahrzehnt anstehen, müssen vorhandene Programme möglichst lange genutzt werden. Doch die knappere Finanzlage der Weltraumbehörde spiegelt sich in vielen Einzelempfehlungen wieder: Wiederholt weist der SRC darauf hin, die anfallenden Kosten mehrerer Missionen zum Beispiel durch Personalkürzungen zu reduzieren.

Die SRC-Empfehlungen für die einzelnen Missionen lauten wie folgt:

  • Chandra: Das Röntgenteleskop soll bis 2014 finanziert werden, eine Verlängerung bis 2016 wird empfohlen. Zudem sollten verschiedene Einsparungen vorgenommen werden, selbst wenn sie auf Kosten der Beobachtungseffizienz gingen.
  • Fermi: Auch für das Gammastrahlenobservatorium wird eine Verlängerung bis 2016 empfohlen. Das Wissenschaftlerteam solle allerdings Pläne zur Reduzierung der Anzahl voller Stellen vorbereiten.
  • Hubble: Auch das altgediente Weltraumteleskop soll seinen Dienst nach Möglichkeit bis 2016 verrichten. Doch auch hier sind dazu Verringerungen der Betriebskosten notwendig.
  • Kepler: Die bei der Suche nach Exoplaneten sehr erfolgreiche Mission erhält die Empfehlung einer Finanzierung bis 2016. Die NASA behält sich vor bei einer Verschlechterung der Finanzlage nach 2014 nur Mittel für die Analyse der Messdaten zur Verfügung zu stellen.
  • Planck: Das Observatorium für die Untersuchung der Hintergrundstrahlung wird vorerst nur bis 2014 finanziert.
  • Swift, Spitzer und XMM-Newton: Die Finanzierung dieser drei Missionen wird bis 2016 empfohlen, obgleich zum Beispiel die Spitzer-Wissenschaftler nur um Geldmittel bis 2015 beantragt hatten.
  • Suzaku: Die gemeinsam mit der JAXA finanzierte Mission soll nach Empfehlung des SRC bis 2016 Gelder erhalten. Die japanischen Partner beschlossen bisher eine Finanzierung bis Juli 2015.
Sämtliche Finanzierungsempfehlungen, die Geldmittel bis 2016 vorsehen, können in der nächsten SRC-Beurteilung im Jahr 2014 revidiert werden.