Techtelmechtel zwischen Neandertalern und modernen Menschen kamen in der Levante durchaus und weiter nördlich in Europa womöglich vor – zumindest in Spanien sind sich Neandertaler und Homo sapiens aber wohl doch nie begegnet, vermuten Forscher nun, nachdem sie verbesserte Radiokohlenstoffdatierungen von Fundstücken aus El Salt vorgenommen haben. Vor vielleicht 45 000 Jahren war hier bereits der letzte Neandertaler gestorben, meinen Bertila Galván und ihre Kolleginnen von der University of La Laguna auf Teneriffa – also lange bevor der moderne Mensch die Halbinsel betrat. Offenbar verließ Homo neanderthalensis die Iberische Halbinsel sogar früher als den Rest Europas und hinterließ sie für lange Zeit menschenleer.

Die Forscherinnen hatten erst kürzlich Schlagzeilen mit ihrer Studie zu den teils vegetarischen Ernährungsgewohnheiten der El-Salt-Neandertaler gemacht. Jetzt haben sie erstmals eine genaue Datierung mehrerer Neandertalerzähne und anderer Fundstücke vorgelegt, die aus den über viele Jahrtausende vom Neandertaler besiedelten Fundorten zusammengetragen worden waren. Bisher stand eine wirklich exakte Datierung noch aus: Das Alter der Menschenart war nur anhand ungenauerer Daten bestimmt worden, die oft auf der Analyse der Gesteinsschichten am Fundort beruhten.

Jetzt zeigt sich, dass kein Fundstück jünger als etwa 45 000 Jahren ist. Offenbar ist die Population der Neandertaler nicht plötzlich, sondern allmählich immer kleiner geworden, berichten die Forscher: Vermutlich ist sie nach einer Blütezeit über einige Jahrtausende hinweg immer mehr geschrumpft, womöglich eine Folge zunehmend widrigen Klimas. Der moderne Mensch als Konkurrent habe mit dem Verschwinden seiner Vorgänger jedenfalls sicher nichts zu tun. Schon im vergangenen Jahr hatten neue europaweite Datierungen gezeigt, dass die Zeit des gemeinsamen Vorkommens beider Menschenformen in Europa recht kurz war. In Iberien fiel sie indes wohl ganz aus.