Vor der Nordküste Brasiliens liegt nach Ansicht von Fachleuten eines der größten Ölfelder Südamerikas, doch ihre Erschließung wird sich wohl auf unbestimmte Zeit verschieben. Denn keine 30 Kilometer von der geplanten Probebohrung entfernt entdeckten Fachleute ein mehr als 1000 Kilometer langes Korallenriff. Versteckt unter den schlammigen Fluten, die aus dem Amazonas ins Meer strömen, dauerte es Jahre, seine Existenz zu bestätigen – zumal die Struktur unter etwa 100 Metern Wasser ungewöhnlich tief liegt. Umweltorganisationen setzen nun die brasilianischen Behörden unter Druck, die Ölförderung in der Region zu unterbinden. Sie fürchten Schäden am Riff durch auslaufendes Öl.

Der französische Ölkonzern Total hat bereits vor vier Jahren für etwa 200 Millionen Dollar die Konzessionen für fünf Meeresgebiete in der Region gekauft, wartet aber bis heute auf die Bohrgenehmigung der brasilianischen Umweltbehörde. Wirtschaftsfachleute fürchten, dass solche Hindernisse ausländische Investitionen in Brasilien behindern und so der Wirtschaft langfristig schaden. Dem gegenüber stehen Bedenken von Umweltschützern, die neben dem Riff auch den größten Mangrovengürtel der Welt, der ebenfalls in der Region liegt, durch das Öl gefährdet sehen. Die Bohrungen von Total und seinen Partnern sollen in fast zwei Kilometern unter Wasser niedergebracht werden – vergleichbar mit jener Bohrung, die nach dem Deepwater-Horizon-Unglück wochenlang nicht geschlossen werden konnte. Einwohner der Region befürchten, dass sie von einem Öl-Boom nicht profitieren würden, sondern lediglich die negativen Folgen wie Umweltverschmutzung und sinkende Fischbestände zu tragen hätten.