Die Lava, die aus dem kongolesischen Nyiragongo-Vulkan ausfließt, ist weltweit chemisch einzigartig. Dies deute auf einen neuen Mantelplume hin, der sich gerade unter dem afrikanischen Kontinent ausbildet, meinen Geologen um Asish Basu von der University of Rochester.

Nyiragongo
© NASA
(Ausschnitt)
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Das geschmolzene Gestein füllt damit nicht nur den größten bekannten Lavasee – er hat im Krater einen Durchmesser von knapp 200 Metern –, es ist auch flüssiger als jedes andere bis dato untersuchte Magma. Es setzt sich unter anderem aus Neodym- und Strontiumisotopen zusammen, wie sie auch in alten Asteroiden vorkommen. Die Forscher vermuten daher, dass das Magma aus großen Tiefen stammt, in der das Ausgangsmaterial noch weitestgehend unverändert aus den Kindertagen der Erde vorliegt. Es wurde dort durch Plattentektonik, Vulkanismus, Verwitterung und Gesteinsbildung noch nicht umgeformt.

Dieser spezielle Chemismus und die häufigen Eruptionen des Nyiragongo wiesen folglich daraufhin, dass unter der zentralafrikanischen Region ein neuer Mantelplume heranwächst – eine Blase aus heißer Gesteinsschmelze, die abseits von aktiven Plattenrändern Vulkane entstehen lässt. Zudem wölbt sich das Gebiet an der Grenze zu Uganda und Kenia empor, was ebenfalls für aufsteigenden Druck von unten spricht.

Nyamuragira
© NASA
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Allerdings speist die Blase offensichtlich nur den Nyiragongo direkt, der wenige Kilometer nördlich davon liegende Nyamuragira zapft hingegen ihren Randbereich ab: Seine Lava wird bereits von umliegendem Gestein beeinflusst, das durch die Hitze verflüssigt wird. Beide zusammen verursachen 40 Prozent aller vulkanischen Eruptionen Afrikas. Nyiragongo ist auch von gewissem geopolitischem und sozialem Interesse, da er mitten im kongolesischen Kriegsgebiet liegt und seine Ausbrüche die Versorgung der Bevölkerung – darunter viele Flüchtlinge – behindern: Erst 2002 zerstörte er mehrere tausend Gebäude und machte 12 000 Menschen obdachlos. (dl)