Forscher um Siddharth Hegde vom Max-Planck-Institut für Astronomie haben eine neue Strategie entwickelt, um Leben auf fernen Planeten außerhalb unseres Sonnensystems aufzuspüren – und zwar mit Hilfe der chemischen Fingerabdrücke von Mikroorganismen. Die Wissenschaftler trugen verschiedene Spezies von Mikroorganismen zusammen, die sich teils in extremen Lebensräumen heimisch fühlen, von der Atacamawüste in Chile bis bin zu hawaiianischem Salzwasser. Anschließend bestrahlten die Forscher die einzelnen Kulturen unter kontrollierten Bedingungen mit Licht und maßen die chemischen Besonderheiten der reflektierten Strahlung. Diese verändert sich unter anderem in Abhängigkeit von den Farbstoffen, die ein Organismus enthält – und erzeugt so eine Art chemischen Fingerabdruck, mit dem die einzelnen Arten identifiziert werden können.

Ihre Ergebnisse stellten die Forscher in einem großen Onlinekatalog zusammen. Anhand der Daten, so der Gedanke von Hegde und Kollegen, könnte man nun auch im Universum nach solchen Fingerabdrücken fahnden, und zwar in dem Licht, das von der Oberfläche und der Atmosphäre von Exoplaneten reflektiert wird. Dafür müsste nur ein hinreichend großer Teil der Planetenoberfläche von einem Organismus bedeckt sein. Der Katalog der Wissenschaftler enthält bisher die Reflexionsspektren bei sichtbarem und nahem Infrarotlicht von 137 unterschiedlichen Arten. In Zukunft wollen sie weitere Proben sammeln, um ihn um weitere Mikroorganismen zu erweitern.

Bisher ist die Vision der Forscher allerdings noch Zukunftsmusik: Die Messung eines solchen chemischen Fingerabdrucks von Organismen auf einer Planetenoberfläche wird selbst mit der nächsten Generation der Teleskope schwierig sein. Derzeit ist es nach Angaben der Wissenschaftler nicht möglich, reflektiertes Licht von Exoplaneten in erdähnlicher Größe zu untersuchen – sie werden von ihrem Stern schlicht überstrahlt.