In dem offenen Fass am Rande der Brauerei in Seattle ging etwas Ungewöhnliches vor, das erkannten die Wissenschaftler auf den ersten Blick. Die Genetiker der University of Washington wollten bei ihrem Besuch Proben von Hefepilzen nehmen, welche die Firma "Epic Ales" bei der Herstellung ihrer exotischen Biervarianten einsetzt. Zum Beispiel "Old Warehouse", das die Brauer in offenen Fässern gären lassen – es handelt sich um ein so genanntes "wildes" Bier, bei dem auch Mikroorganismen von außerhalb des Bottichs mitmischen.

Als die Wissenschaftler vorbeischauten, blubberte es in dem Gefäß gerade kräftig, berichtet das Wissenschaftsmagazin "Science". Ein unverkennbares Zeichen, dass die Gärung in vollem Gang war. Zurück im Labor, sequenzierte das Team um Maitreya Dunham das Erbgut der in der Flüssigkeit enthaltenen Hefepilze – und erlebte dabei eine Überraschung: Neben bekannten Mikroorganismen enthielt die Brühe auch eine Hefe der Gattung Pichia, die sich als Kreuzung aus einer bereits bekannten Spezies (P. membranifaciens) und einem bis dahin unbekannten Mitglied der Familie entpuppte. Von den Details berichten die Wissenschaftler auf der Online-Plattform biorxiv.org.

Dunham und ihre Kollegen tauften die neue Hefevariante Pichia apotheca, der Ausdruck kommt aus dem Griechischen und stand einst für "Lagerhalle". Anschließend versuchten die Forscher, mit der neuen Hefe ein Bier zu brauen. Das Resultat soll nicht allzu gut geschmeckt haben. Die Genetiker vermuten allerdings, dass der Exot einen Teil des Geschmacks des "Old Warehouse"-Biers beisteuert. Dafür spreche, dass der Neuzugang halbwegs gut rieche – ganz im Gegensatz zu anderen Hefen der Gattung Pichia.