Zwei viel versprechende Substanzen gegen die Nerven zerstörenden Effekte der Alzheimererkrankung haben zwei Wissenschaftlerteams entdeckt. Eine Forschungsgruppe verabreichte verschiedenen Versuchstieren einen Wachstumsfaktor, der für Entwicklung und Überleben von Nervenzellen verantwortlich ist, und konnte damit verschiedene Krankheitsprozesse rückgängig machen. Ein anderes Team wiederum verhinderte das Absterben der Neurone, indem sie Kalziumkanäle blockierten, die vom Alzheimer-Peptid Amyloid-Beta gebildet werden.

Mark Tuszynski und seine Kollegen von der University of California in San Diego injizierten den brain-derived neurotrophic factor (BDNF) Mäusen, Ratten und Affen mit Demenzerscheinungen entweder als Gen oder als Protein direkt in Hirnregionen, die mit Lernen und Gedächtnis zu tun haben [1]. Dort sterben bei fortschreitender Erkrankung normalerweise immer mehr Neurone ab – unter anderem weil weniger BDNF gebildet wird. In behandelten Tieren dagegen überlebten die Nervenzellen und verknüpften sich sogar teilweise neu. Bei verschiedenen Lern- und Gedächtnistests schnitten die Tiere daraufhin besser ab.

Amyloid-Beta-Peptid-Pore
© National Academy of Sciences, PNAS
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernAmyloid-Beta-Peptid-Pore
Die Verklumpung von Amyloid-Beta-Peptiden zu den typischen Plaques dagegen wurde durch BDNF-Gabe nicht beeinflusst. Aggregierte Peptide bilden zum Beispiel Poren in den Nervenzellen, die vermehrt Kalzium in die Zellen einfließen lassen – was schließlich zu deren Absterben führt. Die Forschungsgruppe um Harvey Pollard von der University School of Medicine in Bethesda entwickelte zwei Substanzen, die an diese Poren binden können und den Kalziumeinstrom unterbinden [2]. Damit behandelte Neuronen waren vor den schädigenden Auswirkungen geschützt, wie die Wissenschaftler zeigten. (ff)