Zu den größten Unwägbarkeiten der modernen Seefahrt gehören die so genannten Freak-Wellen oder Kaventsmänner, die sich bis zu 30 Meter hoch auftürmen und Schiffe schwer beschädigen und sogar versenken können. Mit Hilfe eines neuen Modells können Wissenschaftler nun womöglich eher prognostizieren, wo diese Monsterwellen auftreten werden.

Kaventsmann vor Schiff
© NOAA
(Ausschnitt)
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Dieses Schiff geriet im Golf von Biscaya 1993 in schwere See. Haushoch türmten sich die Wellen auf.
Trifft eine von Stürmen aufgeraute See auf starke Meeresströmungen und Untiefen, so erhöht das nach Angaben von Tim Janssen von der San Francisco State University und Thomas Herbers von der Naval Postgraduate School in Monterey das Risiko für Kaventsmänner um das Zehnfache: Normalerweise kommen auf 10 000 Wellen nur drei Freaks, in den Konzentrationszonen erhöht sich die Zahl dagegen auf drei pro tausend. Gefährliche Meeresregionen erstrecken sich demnach vor allem in Küstennähe rund um Flussmündungen und im Umfeld enger Buchten sowie entlang starker Strömungen wie dem Kalifornienstrom.

Auf dem offenen Meer, bei Gegenströmungen und wenn Wellen sich an Riffen brechen, bauen sich dagegen nur wenige gefährliche Riesenbrecher auf. Erst wenn sie sich abrupt und schnell an Engpässen kanalisieren, bilden sich häufiger die Freak-Wellen. Monsterwellen haben eine vergleichsweise kurze Wellenlänge und überschreiten den Mittelwert der höchsten Wellen in einem Seegang um mindestens das Doppelte: Höhen bis zu 35 Meter können durchaus auftreten. Sie entstehen beispielsweise, wenn schnellere die langsameren Wellen einholen und überlagern, so dass sich ein Wasserberg aufbaut.

"Discoverer" in schwerer See
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Hier stampft das NOAA-Schiff "Discoverer" durch schwere See im Beringmeer. Bis heute ist nicht abschließend geklärt, wie Monsterwellen entstehen.
Bis 1995 hielt man diese Kaventsmänner für Seemannsgarn. Erst die Messung einer 26-Meter-Monsterwelle an einer norwegischen Ölplattform im Nordatlantik bestätigte dieses Phänomen. Im Februar 2001 wurde das Kreuzfahrtschiff "Bremen" von derartigen Wassermassen getroffen und trieb anschließend zwei Stunden lang manövrierunfähig auf offener See. Dies passierte jedoch abseits bekannter Meeresströmungen und Untiefen, weswegen das Modell von Janssen und Herbers wohl nur küstennahe Gebiete einigermaßen gut abdeckt, während auf der Hochsee noch andere Faktoren eine Rolle spielen müssen. (dl)