Wenn Babys per Kaiserschnitt auf die Welt gebracht werden, verändert dies offensichtlich die Epigenetik ihrer Stammzell-DNA. Zu diesem Schluss kommt eine Studie von Tomas Ekström vom Karolinska Institutet an 43 Neugeborenen, von denen 18 mit einem Kaiserschnitt geholt wurden. Die Forscher hatten Stammzellen aus dem Nabelschnurblut der Kinder isoliert und deren DNA sowie die epigenetischen Unterschiede darin untersucht. Bei insgesamt 350 DNA-Abschnitten stellten sie epigenetische Abweichungen fest, darunter auch bei Genen, die am Stoffwechsel und am Immunsystem beteiligt sind. Unklar sei allerdings, ob diese Differenzen von Dauer sind oder sich im Lauf der Zeit wieder legen, so Ekström.

Statistisch betrachtet leiden Kinder, die per Kaiserschnitt geboren wurden, häufiger unter Fettleibigkeit oder Autoimmunkrankheiten wie Typ-1-Diabetes oder Zöliakie. Allerdings hat die Medizin hierfür bislang noch keine schlüssige Begründung liefern können. Auch die epigenetischen Unterschiede stellten noch keinen kausalen Zusammenhang her, so Ekström. Doch könnten sie einen ersten Erklärungsansatz liefern. "Während einer Vaginalgeburt wird das Neugeborene stark gestresst, was seinen Körper auf positive Weise auf das Leben außerhalb der Gebärmutter vorbereitet. Diese Aktivierung des Immunsystems entfällt beim Kaiserschnitt", liefert der an der Studie beteiligte Mikael Norman eine mögliche Begründung für spätere gesundheitliche Probleme. Unter Epigenetik versteht man molekulare Mechanismen, die zu einem stärkeren oder schwächeren Ablesen von Genen führen, ohne dass die darin gespeicherte Information verändert wird.