Ende des letzten Monats kamen neue Bedenken über die Nutzung von Geoengineering auf: Wissenschaftler der britischen Wetterbehörde wiesen darauf hin, dass globale Kontrolle unabdingbar sei, um möglichen unbeabsichtigten Folgen solcher Eingriffe entgegentreten zu können. Und da der Weltklimarat IPCC gerade einen Bericht über Geoengineering vorbereitet, bleibt das Thema auf der Tagesordnung – genauso wie die Kontroversen, die es provoziert.

Eine verlässliche Konstante ist der Ruf, "dass wir zumindest daran forschen sollten" – um dann später vorbereitet zu sein. Dabei sind solche schlichten Ratschläge tatsächlich schon Teil des Problems: Sie basieren auf einem Bündel fragwürdiger Annahmen und spiegeln ein naives Weltbild, in dem Wissenschaftler in weißen Kitteln völlig leidenschaftslos zur Mehrung des Wissens beitragen. Mit der Realität hat das wenig zu tun.

Die "Wir sollten einfach nur daran forschen"-Gemeinde hat ein paar ziemlich unangenehme Fragen zu beantworten. Zunächst: Wer ist eigentlich mit "wir" gemeint? Vielleicht der "Schurken"-Geoengineer Russ George, der die Ozeane mit Eisen düngen möchte, um damit Kohlenstoffzertifikate produzieren zu können – die er selbst verkaufen will? Oder ist es der exzentrische Russe Yuri Izreal, der mit dem Versprühen von Aerosolen experimentiert? Wie steht es mit Ölgiganten wie Exxon-Mobil, die jahrelang bewusst falsche Informationen zur Klimawissenschaft finanziert haben und nun über die Aussichten für Geoengineering sprechen? Oder ist "wir" das chinesische oder US-amerikanische Militär: Organisationen, die den besten Zugang zu technischen Geräten besitzen, mit denen man einen Schwefelschirm spannen könnte?

Und wer sollte diese Studien bezahlen: die Öffentlichkeit, über nationale Forschungsprogramme? Oder wäre es in Ordnung, wenn Milliardäre, Garagenbastler oder Ölfirmen das in die Hand nähmen? Shell etwa unterstützt nun Arbeiten zum Kalken der Meere im Rahmen des Cquestrate-Projekts, und unter anderem ConocoPhillips investiert in die Erforschung von biologischer Holzverkohlung.

Sollte die Forschung transparent oder geheim ablaufen? Wenn wir postulieren, sie sei zu wichtig und dürfe daher nicht im Geheimen durchgeführt werden, müssten wir dann nicht Unternehmen zwingen, ihre Labore zu öffnen? Sollten die Vereinten Nationen Wettertechnikteams besitzen, die ermächtigt wären, militärische Forschungseinrichtungen etwa in China zu inspizieren – ähnlich wie sie Waffenexperten in den Irak entsandt haben? Außerdem müssen wir entscheiden, wer die Forschung überwacht und reguliert. Genügt es, dies den Wissenschaftlern selbst zu überlassen, so wie diese es auf der Asilomar-Konferenz zum Geoengineering 2010 vorgeschlagen hatten? Was tun, wenn diese Forscher von Ölfirmen oder den Regierungen Kohle erzeugender Länder beschäftigt werden?

Sollten nationale Regierungen ethische Standards einführen oder ein UNO-Büro eingerichtet werden, das die gesamte weltweite Forschung dazu überwacht? Müsste klimatisch gefährdeten Staaten ein größeres Gewicht zugemessen werden, wenn es darum geht, wo und wie wir Forschungsgelder einsetzen – oder finden wir es in Ordnung, dass sie wegen ihrer Armut kein Mitspracherecht haben? Schließlich ginge es um potenziell weltrettende Technologien. Wem gehören die wissenschaftlichen Ergebnisse? Dürften private Patente erlaubt sein, so dass Individuen oder Unternehmen diese Technologien auch verkaufen könnten?

Solche Ängste sind nicht neu. Bereits der US-Präsident Dwight Eisenhower warnte vor der "Gefahr, dass die öffentliche Politik Gefangene einer wissenschaftlich-technischen Elite werden könnte". Wie verhindern wir also, dass sich eine mächtige Vereinigung aus Wissenschaftlern, Investoren und Politikern nach einer eiligen Standortbestimmung entwickelt: eine Lobby, die das politische System manipulieren könnte, um damit ernsthafte Sicherheitsbedenken kleinzureden oder zu überstimmen, nur weil sie ihre Technologie zur Anwendung gebracht haben möchte? Und wer kontrolliert, was wann und wo eingesetzt wird, sollte unsere Forschung die erwünschten Resultate erzielen und die Nöte so groß werden, dass wir sie einsetzen wollen? Wenn ein Sonnenschirm unterschiedliche Folgen für Regenfälle in armen und reichen Ländern auslöst, wer entscheidet dann, wo es regnet?

Wir benötigen allseits befriedigende Antworten auf all das, bevor wir anfangen, die technischen Fähigkeiten zur Manipulation des Klimas zu entwickeln. Wir können uns nicht damit begnügen, dass die Welt sich einfach irgendwie durchwurstelt. Die Forschung zum Thema nimmt weltweit Fahrt auf und beantwortet die Fragen in Ermangelung von Vorgaben. Oft sind die Antworten auch wenig schmackhaft: Eine Menge privater Patente wurde bereits zugelassen, mit denen man das Klima manipulieren könnte. Dieses "wir sollten erforschen" verschärft eine Situation, in der häufig bereits die "falschen" Leute aus falschen Gründen und ohne Aufsicht Geoengineering betreiben. Dabei schaffen sie eine Lobby, die früher oder später darauf drängt, diese Mittel einzusetzen, da sie daran finanziell oder beruflich interessiert ist.

Der politische Kontext ist von Bedeutung. Die Bedenken verstärken sich noch, wenn man sich vor Augen führt, wie wir an diesen Punkt gekommen sind: Wir ziehen eine Manipulation des Klimasystems in Betracht, um eine klimatische Katastrophe zu verhindern – die sich aus unserem politischen und gesellschaftlichen Unvermögen entwickelt, unsere Treibhausgasemissionen drastisch zu verringern. Schwache politische Führung, die Macht der Energielobby, allgegenwärtiges Wunschdenken und eine Kultur des Leugnens haben diesen Plan A bereits untergraben. Warum sollten wir erwarten, dass dies ausgerechnet mit Plan B nicht geschieht?

Die Lobby des "Wir sollten zumindest daran forschen!" nimmt an, dass Geoengineering dereinst in Übereinstimmung mit den wissenschaftlichen Ergebnissen durchgeführt wird und die Interessen von armen und bedrohten Menschen schützt. Glauben wir das wirklich? Das ist die Ironie an dieser Geschichte: Sollten wir tatsächlich an diese Art Welt glauben, bräuchten wir keine Erforschung des Geoengineering.

Der Artikel erschien unter dem Titel "No, we should not just 'at least do the research'" in Nature 496, S. 139, 2013.