Für Achim Steiner, Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, sind die drei Staaten drei Beispiele für die weltweite Strömung von Staaten, Ländern, Städten, Unternehmen, nicht zu warten bis sich die internationale Gemeinschaft über einen globalen Klimavertrag geeinigt hat, sondern hier und jetzt zu handeln. "Diese Länder haben sich verpflichtet, ihre Wirtschaft und ihre Gesellschaft kohlenstoffneutral umzubauen", sagte Steiner. Auch die Vereinten Nationen hätten begonnen, alle ihre Organisationen kohlenstoffneutral zu gestalten: "Das ist nur ein kleiner Schritt, angesichts des großen Problems, aber es ist ein weiteres Beispiel dafür, das Klimaschutz machbar ist."

Neuseeland soll die "erste wahrhaft nachhaltige Nation der Welt" werden. Das ist das ehrgeizige Ziel von Premierministerin Helen Clark. Alle Wirtschafts- und Gesellschaftsbereiche sollen Schritt für Schritt ihre Treibhausgas-Emissionen reduzieren. Bis 2013 soll ein nationaler Emissionshandel eingeführt sein und bis zum Jahr 2025 die Produktion von Elektrizität aus erneuerbaren Ressourcen von jetzt 70 auf 90 Prozent gesteigert werden. Der Waldbestand soll wachsen, elektrische Fahrzeuge landesweit eingeführt sein und bis 2040 alle Treibhausgasemissionen aus dem Transportwesen um die Hälfte reduziert werden. Die ersten Schritte seiner CO2-freien Ambitionen wird Neuseeland im kommenden Jahr einem Weltpublikum präsentieren. "Wir sind stolz darauf, Gastgeberland des Weltumwelttages 2008 zu sein", sagte Umweltminister David Parker in Bali.

"Wir wollen Teil der Lösung des Klimaproblems sein", so einfach beschreibt Paulo Manso, Leiter der Verhandlungsdelegation Costa Ricas bei der Klimakonferenz, die grünen Bestrebungen seines Landes. "Das Neutralitätsziel soll bis 2021 erreicht sein, dem Jahr, in dem mein Land den hundersten Jahrstag seiner Unanhängigkeit feiert", sagt Manso. Die Ausgangslage ist gut. Das 51 000 Quadratkilometer große Costa Rica bezieht nur vier Prozent seiner Energie aus Kraftwerken, die mit fossilen Brennstoffen betrieben werden. 78 Prozent kommt von Wasserkraftwerken und 18 Prozent liefern Wind sowie geothermische Anlagen. Bereits 1997 hat das Land eine Gassteuer eingeführt, aus der Landbesitzer finanziell unterstützt werden, wenn sie Bäume erhalten, um Kohlenstoff zu absorbieren.

Die Norweger wollen ihr Neutralitätsziel durch den Kauf von Emissionszertifikaten erreichen, aber auch durch die Verteuerung von Importwaren: Bananen aus Afrika oder Tulpen aus Amsterdam müssten im Preis auch die Klimakosten widerspiegeln, findet die norwegische Regierung. Da Norwegen schon heute den größten Teil seiner Energie aus Wasserkraft bezieht, konzentrieren sich die CO2-Sparmaßnahmen auf Bereiche wie Transport und Verkehr. "Wir wollen die Kohlendioxid-Emissionen spätestens 2050 bei Null haben", betont Norwegens Umweltminister Erik Sondheim.

Ein etwas kleineres Ziel hat sich Deutzschland gesetzt: Bundesumweltminister Sigmar Gabriel kündigte erstmals an, dass Deutschland seinen Ausstoß von Treibhausgasen bis zum Jahre 2020 um vierzig Prozent verringern will – ohne Wenn und Aber. Bisher hatte die Bundesregierung dieses Ziel an die Bereitschaft anderer Industriestaaten geknüpft, ihre Emissionen um ein Drittel zu reduzieren. Der Minister betonte zudem den deutschen Anspruch auf die europäische Vorreiterrolle im Klimaschutz. Allerdings werden in Deutschland europaweit die meisten Neubauten von Kohlekraftwerken geplant.