In der marokkanischen Sahara wurde im Februar 2012 ein ungewöhnlicher Meteorit entdeckt, der in 35 Bruchstücke zerbrochen war. Erste chemische Analysen deuten darauf hin, dass NWA 7325, so die Bezeichnung, möglicherweise vom sonnennächsten Planeten Merkur stammen könnte. Allerdings ist diese Zuordnung noch nicht generell von den Meteoritenforschern akzeptiert und bedarf weiterer Untersuchungen. Bislang sind bereits Meteorite bekannt, die mit hoher Wahrscheinlichkeit vom Mond und von unserem äußeren Nachbarplaneten Mars stammen.

Bruchstück des Meteoriten NWA 7325
© Stefan Ralew / sr-meteorites.de
(Ausschnitt)
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Der Meteorit NWA 7325 ist von einer auffälligen hellgrünen Schmelzkruste umgeben, die bei seinem Eintritt in die Erdatmosphäre entstand. Derartige Schmelzkrusten, aber mit längst nicht so stark ausgeprägter grüner Färbung, wurden bislang nur bei einigen wenigen Mondmeteoriten beobachtet, zu denen aber NWA 7325 definitiv nicht gehört. Im Gesteinsinneren lassen sich gut ausgebildete, rundliche Kristalle erkennen, darunter das leuchtend grüne Silikatmineral Chromdiopsid. Die Meteoritenbruchstücke wurden von dem deutschen Meteoritenhändler Stefan Ralew in Marokko aufgekauft, dem das ungewöhnliche Aussehen schon beim Erwerb ins Auge sprang. Er leitete daher einen Teil des Meteoriten an den Meteoritenforscher Anthony J. Irving an der University of Washington in Seattle weiter, der ihn sogleich untersuchte.

Anschnitt des Meteoriten NWA 7325
© Stefan Ralew / sr-meteorites.de
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernDas Gestein von NWA 7325
Nun präsentierten Irving und seine Koautoren die ersten Ergebnisse im Tagungsband der 44. Lunar and Planetary Science Conference, die im März 2013 in Houston, Texas, stattfindet. Sie stellten fest, dass der Meteorit etwa zu 56 Volumenprozent aus dem Feldspat Plagioklas besteht, zu 27 Prozent aus Chromdiopsid und zu 16 Prozent aus dem Silikatmineral Olivin. Daneben enthält er noch Spuren zahlreicher weiterer Minerale. Die chemische Analyse zeigte, dass dieser Meteorit ungewöhnlich reich an Magnesium und Kalzium ist, aber praktisch kein Eisen enthält. Offenbar entstand sein Gestein aus einer Schmelze mit hoher Temperatur, die nur sehr langsam abkühlte, so dass sich vergleichweise große Kristalle ausbilden konnten. Er bildete sich also auf einem größeren Himmelskörper, der zumindest kurz nach seiner Entstehung vulkanischer Aktivität unterworfen war.

Insgesamt gesehen ähneln die Ergebnisse der chemischen Analysen von NWA 7325 sehr den Messwerten der US-Raumsonde Messenger, die seit März 2011 Merkur umrundet und dabei mit einem Gammastrahlen-Spektrometer die chemische Zusammensetzung der Planetenoberfläche ermittelt. Auch die Merkuroberfläche enthält praktisch kein Eisen, allerdings gibt es Hinweise auf größere Mengen des Silikatminerals Enstatit in der Kruste, das im Gestein von NWA 7325 fehlt. Daher vemuten die vorsichtig argumentierenden Forscher um Irving, dass das Gestein des Meteoriten unterhalb der Merkuroberfläche erstarrte und dann durch einen heftigen Einschlag herausgesprengt und in eine Umlaufbahn um die Sonne befördert wurde. Schließlich gelangte es durch Veränderungen seiner Bahn durch die Schwerkrafteinflüsse von Sonne, Merkur und Venus in Erdnähe und fiel als Meteorit auf unseren Planeten.

Derzeit sind weitere Detailuntersuchungen im Gange, unter anderem soll bestimmt werden, wie lange NWA 7325 zur Erde unterwegs war und wann sich das Gestein überhaupt bildete. Ein weiterer interessanter Hinweis wäre es, wenn sich Spuren eines planetaren Magnetfelds in den Mineralen finden ließen. Merkur ist neben der Erde der einzige terrestrische Planet im Sonnensystem, der ein ausgeprägtes Dipolmagnetfeld aufweist. Jedoch räumt das Forscherteam um Irving ein, das absolute Gewissheit über die Herkunft von NWA 7325 erst dann zu erlangen ist, wenn durch Raumsonden Bodenproben des sonnennächsten Planeten zur Erde transportiert und mit dem Meteoriten verglichen werden können.