Die regelmäßige Einnahme von Omega-3-Nahrungsergängzungsmitteln kann offenbar nicht verhindern, dass unsere geistige Fitness im Alter abnimmt. Das zeigt nun eine große klinische Studie, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der amerikanischen National Institutes of Health (NIH) im "Journal of the American Medical Association" (JAMA) veröffentlichten. Die Forscher hatten 4000 Probanden fünf Jahre lang spezielle Zusatzstoffe verabreicht. Die Versuchsteilnehmer waren zu Beginn der Studie im Durchschnitt 72 Jahre alt gewesen und litten alle an einer leichten bis mittleren altersbedingten Makuladegeneration, einer Erkrankung der Netzhaut, bei der Omega-3-Fettsäuren ebenfalls eine viel versprechende Heilwirkung haben sollen. Die Präparate, die die Teilnehmer einnehmen sollten, bestanden entweder aus verschiedenen Omega-3-Fettsäuren, die vor allem in Pflanzenöl und Fisch zu finden sind, den Stoffen Lutein und Zeaxanthin, die in großen Mengen in grünem Blattgemüse vorkommen, einer Kombination aus beidem, oder aber es handelte sich lediglich um Scheinpräparate.

Zu Beginn der Studie sowie nach zwei und vier Jahren absolvierten die Probanden jeweils eine Batterie von acht verschiedenen kognitiven Tests, die Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Wahrnehmungsgeschwindigkeit überprüften. Am Ende des Versuchs zeigte sich, dass es keinen Unterschied machte, welcher der vier Gruppen die Versuchspersonen anfangs zugeteilt worden waren: Ob sie nun regelmäßig Omega-3-Fettsäuren oder andere Pflanzenstoffe einnahmen oder ob sie lediglich Placebos schluckten – die geistigen Fähigkeiten nahmen bei allen Probanden im gleichen Maß über die Zeit hinweg ab.

Das sollte ein Grund sein, den Hype um die vermeintlich gesundheitsfördernde Wirkung von Omega-3-Fettsäuren noch einmal etwas differenzierter zu betrachten. Die Untersuchung der NIH ist nicht die erste Studie, die darauf hindeutet, dass die Fettsäuren womöglich nicht alles halten können, was gerade die Hersteller von entsprechenden Nahrungsergänzungsmitteln so gerne versprechen – nämlich vor allem, Herz und Hirn gesund zu halten. So zeigte etwa bereits 2011 die Arbeit einer anderen Forschergruppe, dass Omega-3-Präparate auch bei älteren Menschen mit Herzproblemen keinen Vorteil für die Hirngesundheit bieten.

Der fehlende Effekt könnte möglicherweise auch damit zusammenhängen, dass man die Nahrungsergänzungsmittel vielleicht bereits schon wesentlich früher einnehmen muss, um kognitive Einbußen zu verhindern, spekulieren die Autoren der aktuellen Studie. Oder aber die Omega-3-Fettsäuren helfen nur, wenn sie in eine ganz bestimmte Ernährungsweise eingebettet sind. Diese Fragen sollen in künftigen Studien genauer beleuchtet werden.