Eine bestimmte optische Illusion sorgt offenbar dafür, dass Menschen kurzzeitig besser sehen. Das berichten nun Forscher um Martin Lages von der University of Glasgow im Fachmagazin "Psychological Science". Sie luden insgesamt 74 Probanden zu einem Sehtest ein. Dabei mussten die Teilnehmer auf einer Tafel Buchstaben entziffern, die zunehmend kleiner wurden. Anschließend sollten die Probanden auf Spiralen blicken, die sich entweder im oder gegen den Uhrzeigersinn drehten. Dann wiederholten die Teilnehmer den Sehtest.

Nach einem Blick auf solche Spiralen stellt sich üblicherweise eine spezielle optische Illusion ein: Sehen wir Spiralen, die sich im Uhrzeigersinn drehen, dann kommen uns anschließend Dinge, die wir betrachten, so vor, als würden sie wachsen. Bei Spiralen, die sich gegen den Uhrzeigersinn drehen, schrumpfen dagegen die Dinge, die wir anschließend betrachten.

Wie Lages und sein Team entdeckten, wirkt sich das offenbar auch in einem anschließenden Sehtest aus: Probanden, die jene Spiralen sahen, die sich im Uhrzeigersinn drehten, konnten danach tatsächlich Buchstaben entziffern, die sie vorher nicht erkennen konnten. Umgekehrt schnitten Teilnehmer, welche die sich gegen den Uhrzeigersinn drehenden Spiralen gesehen hatten, im Anschluss schlechter ab als vorher. Ein zweites Experiment, in dem alle Versuchspersonen nacheinander beide Spiralmuster sahen, bestätigte das Ergebnis.

Die Forscher sind verblüfft: Bislang ging man davon aus, dass unsere Sehschärfe im Kern durch die Form und den Zustand unserer Augen beeinflusst wird. Doch ihren Daten zufolge spielen dabei offenbar auch Wahrnehmungsprozesse im Gehirn eine Rolle. Um sich von seiner Brille zu trennen, sei es allerdings zu früh, schränken Lages und Kollegen ein: Die Sehschärfe ändere sich durch die Illusion nur geringfügig, und das auch nur für einen kurzen Moment.