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Sternentstehung: Orionnebel noch aktiver als erwartet

Ein internationales Astronomenteam nutzte Bilder und spektroskopische Daten, um die Sternbildungsaktivität in der Orion-Molekülwolke zu kartieren. Diese erstreckt sich über rund sechs Grad am Himmel, das entspricht dem zwölffachen Durchmesser des Vollmonds. Aber der größte Teil dieser riesigen Wolke ist unsichtbar und lässt sich nur im Infraroten untersuchen, da dichte Staubwolken im Visuellen die Sicht versperren.

Die Orion-Molekülwolke erstreckt sich praktisch über das ganze Sternbild Orion, sie beginnt deutlich oberhalb der Kopfes des Himmelsjägers und ragt noch über seine Füße hinaus. Der bekannteste und am leichtesten zu beobachtende Teil der Orion-Molekülwolke ist der Große Orionnebel oder Messier 42. Er befindet sich beim Schwert des Orion und kann bei klarer dunkler Nacht mit dem Fernglas schon als kleines nebliges Fleckchen gesichtet werden.
Der Orionnebel im Infraroten | Diese Falschfarbenaufnahme ist ein Komposit aus Infrarotbildern des 3,8-Meter-Teleskops UKIRT auf dem Mauna Kea, Hawaii, und des Infrarotsatelliten Spitzer. Sie zeigt den Großen Orionnebel Messier 42 und seine nähere Umgebung.


Für ihre Durchmusterung dieser auch als "Sternenkindergarten" bezeichneten Region setzte das Forscherteam unter der Leitung von Chris Davis vom Joint Astronomy Centre auf Hawaii mehrere Instrumente ein, die unterschiedliche Wellenlängenbereiche im Infraroten und im Submillimeterbereich abdecken.

Das 3,8-Meter-Teleskop UKIRT (United Kingdom Infrared Telescope) auf dem Mauna Kea, Hawaii, lieferte Übersichtsaufnahmen und wurde dabei vom Weltraumteleskop Spitzer in noch langwelligeren Infrarotbereichen ergänzt. Das Submillimeter-Interferometer des "Instituts für Radioastronomie im Millimeterbereich (IRAM)" auf dem Plateau de Bure in Frankreich erstellte zusätzlich Karten der ausgedehnten kalten Molekül- und Staubwolken im Gebiet des Orion.

Zwar war schon seit langem bekannt, dass sich im Orionnebel viele Sterne bilden, aber die Intensität der Sternbildung überraschte die Forscher nun doch. Bei ihrer Durchmusterung hielten die Forscher Ausschau nach den so genannten Jets, schnellen Gasströmen, die von sehr jungen Sternen kurz nach ihrer Bildung und Zündung der Kernfusion in ihrem Inneren ausgestoßen werden.

Insgesamt 110 Jets machten die Forscher aus, in denen sich heißes Gas mit Geschwindigkeiten zwischen einigen zehn und wenigen Hundert Kilometern pro Sekunde in eng begrenzten Strahlen bewegt. Die Jets können sich dabei über mehrere Lichtjahre ausbreiten. Durch die Kombination der Aufnahmen in unterschiedlichen Wellenlängenbereichen konnten die Forscher bei fast allen Jets die verursachenden jungen Sterne dingfest machen. Sie sind meist noch von einer dichten Hülle aus Gas und Staub umgeben, einem Überrest der Wolke, aus der sie sich einst bildeten.
Ein Jet um einen jungen Stern | Auf dieser Falschfarbeninfrarotaufnahme ist ein Gasjet (rot) zu sehen, der aus einer sehr aktiven Sternbildungregion im Orionnebel hervorbricht. Alle hier sichtbaren Knoten und Filamente sind Gasjets junger Sterne, die in diesem Bild orangefarben leuchten. Das Aufnahme entstand mit der Weitfeldkamera des 3,8-Meter-Teleskops UKIRT auf dem Mauna Kea, Hawaii.


Mit einer solch hohen Anzahl an jungen Sternen lassen sich Aussagen darüber treffen, wie lange diese Gas und Staub aus der Umgebung an sich ziehen können und damit ihre Masse erhöhen. Außerdem lässt sich damit die Frage klären, was das Wachstum der jungen Sterne beendet und das weitere Anwachsen ihrer Massen verhindert. Außerdem erhoffen sich die Forscher Aufschluss darüber, wie die benachbarten Sterne die Geburt neuer Sterne beeinflussen.

Tilmann Althaus

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