Polynesische Auswanderer kamen möglicherweise erst 1200 n. Chr. auf der Osterinsel an und besiedelten das Eiland damit zwischen 200 und 800 Jahre später als bislang angenommen. Deshalb müsse die gesamte Kulturgeschichte der Osterinseln revidiert werden, meinen Terry Hunt von der Universität von Hawaii in Manoa und Carl Lipo von der California-State-Universität in Long Beach. Die Forscher schließen dies aus neuen Radiokarbondatierungen einer Grabungsstätte bei Anakena an der Nordküste Insel.

Skulpturen auf der Osterinsel
© Terry Hunt
(Ausschnitt)
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Hunt und Lipo hatten die ungestörten Schichten der einzigen Sanddüne auf der Osterinsel untersucht. In den über drei Meter mächtigen Sedimenten fanden sie neben Artefakten der ersten Bewohner auch Holzkohle und Pflanzenreste aus Zeit um 1200 n. Chr.

Frühere Untersuchungen hatten für die Altersbestimmungen teilweise Meeressedimente und Ablagerungen von Seen verwendet, die allerdings nachträglich so verfälscht werden können, dass sie ein zu hohes Alter anzeigen. Bislang ging man von zwei Besiedlungswellen und einer langsam wachsenden Bevölkerung aus, die erst Jahrhunderte nach der Ankunft der ersten Menschen mit dem Roden der Wälder weitreichend in die Ökosysteme der Insel eingriff. Auch die riesigen Steinskulpturen, so dachte man bisher, hätten die Inselbewohner erst lange Zeit nach der Landnahme geschaffen.

Die Osterinsel liegt im Pazifischen Ozean etwa 3700 Kilometer westlich der Küste Südamerikas und 2250 Kilometer entfernt von der nächsten heute bewohnten Insel. Als 1722 holländische Seefahrer auf der Osterinsel ankamen, hatten sie ein ausgehungertes Volk vorgefunden, das in einer kahlen, unfruchtbaren Landschaft zwischen großen Steinskulpturen lebte.