Als kosmischen Speer titulierte man ihn auf Twitter, seine Form erinnert eher an ein Alien-Raumschiff als an einen gewöhnlichen Himmelskörper: Schon seine Form weist den Himmelskörper 'Oumuamua als Sonderling aus. Zehnmal so lang wie breit ist das 400 Meter lange Objekt, berichtet nun eine internationale Arbeitsgruppe um Karen Meech vom Institute for Astronomy auf Hawaii in "Nature". Der Brocken stellt damit die eigentlich an seltsam geformte Objekte gewöhnte Astrowelt vor ein Rätsel. Auch die Flugbahn ist ungewöhnlich: Der bereits im Oktober 2017 entdeckte Himmelskörper folgt keineswegs einer Ellipse, sondern einer offenen Hyperbel, die extreme 122 Grad gegen die Umlaufbahnen der Planteten geneigt ist. Dafür allerdings gibt es eine einfache Erklärung: 'Oumuamua ist nicht von hier, er stammt aus den Weiten der Milchstraße, schlug nur schnell einen Haken um die Sonne und entflieht nun dem Sonnensystem so schnell, wie er gekommen ist.

Zunächst nahmen die Astronomen an, dass der kleine Himmelskörper der erste interstellare Komet sein könnte – aber sie beobachteten keine Spur eines Gas- oder Staubschweifs. Vielmehr besteht das Objekt wohl aus Gestein oder Metall, worauf auch seine dunkelrot gefärbte Oberfläche hindeutet.

'Oumuamua kam außerdem der Sonne am 9. September 2017 mit einer Entfernung von 37,6 Millionen Kilometer oder einer Viertel Astronomischen Einheit näher als der Merkur und heizte sich dabei auf etwa 300 Grad Celsius auf, ohne erkennbare Mengen Gase auszustoßen. Damit ist das Objekt ein Asteroid – es trägt wegen seiner Herkunft die offizielle Bezeichnung 1I/'Oumuamua, wobei das I für Interstellares Objekt steht und die 1 für die erste Entdeckung dieser Art. Der Name 'Oumuamua stammt aus dem Hawaiianischen und bezeichnet etwa "einen Botschafter aus fernen Zeiten, der zu uns gesandt wurde".

Ein Himmelsausschnitt mit einem rötlichen Lichtpunkt im Zentrum.
© Gemini Observatory/AURA/NSF
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernKompositaufnahme des Asteroiden 1I/'Oumuamua
Kompositaufnahme aus 192 Bildern des Teleskops Gemini-Süd, in der die Farbe des Asteroiden 1I/'Oumuamua deutlich wird. Der rötliche Schimmer erinnert an die Färbung von Objekten im äußeren Sonnensystem, zum Beispiel Pluto und Charon.

Der Name ist eine Anspielung auf den Roman "Rendezvous mit Rama" von Arthur C. Clarke, in dem sich ein Asteroid auf einer hyperbolischen Bahn als außerirdisches Raumschiff entpuppt. Allerdings halten Fachleute 'Oumuamua trotz der ungewöhnlichen Form des Objekts für natürlichen Ursprungs. Woher der Körper genau stammt, ist allerdings Gegenstand ausgiebiger Spekulationen. Fest steht nur, dass er viele Millionen Jahre im interstellaren Raum unterwegs war. Indizien deuten darauf hin, dass der weit gereiste Besucher aus der Carina/Columba-Sternansammlung am Südhimmel stammen könnte. Diese ist zwischen 160 und 280 Lichtjahre von uns entfernt und besteht aus recht jungen Sternen. Eventuell bildete sich 'Oumuamua dort in einer protoplanetaren Scheibe und wurde durch Begegnungen mit sich bildenden Planeten in den interstellaren Raum geschleudert. Das erklärt aber nicht seine höchst ungewöhnliche Form, die sich Astronomen bisher nicht recht erklären können.