Das körpereigene Peptid Oxytozin gilt schon lange als vertrauensförderndes Hormon, welches das Sozialverhalten wesentlich beeinflusst. Auch bei Autisten, die nur schwer mit ihren Mitmenschen Kontakt aufnehmen können, scheint eine Prise der Substanz kleine Wunder zu bewirken, haben französische Forscher herausgefunden.

Die Wissenschaftler um Angela Sirigu vom Centre National de la Recherche in Bron ließen 13 erwachsene Autisten mit Oxytozin angereichertes Nasenspray einatmen. Anschließend versuchten sich die Probanden an einem Computerballspiel mit drei virtuellen Akteuren: Während der "liebe" Spieler A den Ball sehr häufig an die Testperson zurückgab, tat das der "böse" Spieler C eher selten. Der "neutrale" Spieler B verteilte seine Bälle gleichmäßig.

Gesunde Testpersonen erkannten dieses Muster der virtuellen Mitspieler recht schnell und gaben ihre Bälle meist an Spieler A. Autisten, die nur ein Placebo genommen hatten, spielten dagegen gleichmäßig mit allen dreien. Hatten sie jedoch Oxytozin geschnuppert, dann zogen auch sie wie die Kontrollgruppe das kooperationswillige Gegenüber A vor.

In einem zweiten Experiment zeigten die Forscher ihren Probanden menschliche Gesichter mit der Aufforderung, das Geschlecht oder die Blickrichtung zu benennen. Auch hier bewirkte eine Gabe Oxytozin, dass die Autisten stärker auf die Augen des Gegenübers achteten als die Placebo-Gruppe.

Das vom Hypothalamus produzierte Hormon Oxytozin (griechisch oxytokos = schnell gebärend) wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Schwangerschaftshormon beschrieben, das die Geburt unterstützt, die Milchproduktion anregt und die Bindung zwischen Mutter und Kind unterstützt. Nach und nach kristallisierte sich die zentrale Rolle des Hormons im Sozialverhalten heraus: Es wird während des Orgasmus ausgeschüttet, fördert gegenseitiges Vertrauen und baut sozialen Stress ab. Seit 2005 ist bekannt, dass Oxytozin – verabreicht als Nasenspray – kooperatives Verhalten auslöst.

Autismus (griechisch autos = selbst) gilt als Störung im zwischenmenschlichen Verhalten, bei der die Betroffenen stark auf sich selbst bezogen sind und Schwierigkeiten haben, sich in andere Menschen hineinzuversetzen. Die Ursachen des Syndroms sind unbekannt; genetische Faktoren spielen aber vermutlich eine große Rolle (aj).