Südpol des Saturnmonds Enceladus
© NASA/JPL-Caltech/Space Science Institute
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernMikrowellen von Enceladus' Südpol

Der mutmaßliche unterirdische Ozean auf dem Saturnmond Enceladus könnte sich näher an der Oberfläche befinden, als Wissenschaftler bisher dachten. Darauf deuten Messdaten der Raumsonde Cassini aus dem Jahr 2011 hin, deren Auswertung nun im Fachmagazin "Nature Astronomy" erschienen ist. Demnach detektierte das RADAR-Instrument an Bord der Sonde mehr Mikrowellenstrahlung als erwartet, als diese dicht über den Südpol des Monds flog.

In zwei Regionen deutet die Strahlung auf leicht erwärmtes Eis wenige Meter unterhalb der Kruste von Enceladus hin. Statt minus 230 Grad habe es vermutlich eine Temperatur von minus 210 Grad Celsius, berichten die Forscher. Die erwärmten Stellen sind einige Dutzend Kilometer von jenen vier berühmten Gräben an Enceladus' Südpol entfernt, aus denen Wasserdampf ins All schießt, wie Cassini bereits 2005 beobachtetet hatte.

Gerne hätten die Wissenschaftler untersucht, was für Mikrowellen von dieser besonders spektakulären Region ausgehen. Der Missionsplan der Saturnsonde Cassini ließ aber nur eine Messung etwas abseits der "Tigerstreifen" zu. Immerhin wisse man dadurch nun, dass auch in Regionen, wo kein Wasser ins All schießt, unterhalb der Oberfläche etwas vor sich gehe. Möglicherweise gab es dort in der Vergangenheit ebenfalls Geysire, deren Zuflüsse aber mittlerweile zugefroren sind, spekulieren die Forscher.

Die erhöhten Temperaturen ließen sich jedenfalls weder durch die Sonneneinstrahlung noch durch die Aufheizung durch die Gezeitenkräfte des Saturn erklären, ließ sich Studienautorin Alice Le Gall von der Université de Versailles Saint-Quentin-en-Yvelines in einer Mitteilung zitieren. Es müsse deshalb eine zusätzliche Wärmequelle geben.

Vermutlich erstrecke sich ein weit ausgedehntes Wärmereservoir mancherorts bis dicht unter die Oberfläche, spekulieren die Wissenschaftler. Es sei daher plausibel, dass sich der unterirdische Ozean auf Enceladus am Südpol weniger als fünf Kilometer unterhalb der Oberfläche befinde, denkbar seien sogar nur zwei Kilometer. Frühere Studien waren zu dem Ergebnis gekommen, dass das Meer von sieben, vielleicht auch von 13 Kilometer Eis bedeckt sein müsste.