Heutige Pandabären (Ailuropoda melanoleuca) haben sich aus Allesfressern entwickelt, die vor rund sieben Millionen Jahren zunächst nur das ein oder andere Stängelchen Bambus verzehrten und dann vor gut zweieinhalb Millionen Jahren exklusiv auf die Pflanze umstiegen. Die Nahrungsspezialisten verdanken dieser einseitigen Ernährung eine Reihe von körperlichen Anpassungen, etwa in ihrem Gebiss oder an den Pfoten. Doch die Darmflora der Tiere scheint noch immer die eines Fleischfressers zu sein, zeigt nun eine Studie.

Zu diesem Ergebnis kamen jedenfalls Zhengsheng Xue von der Jiaotong-Universität in Schanghai und Kollegen, nachdem sie Kotproben von 54 in Gefangenschaft lebenden Pandabären untersucht hatten. Sie fanden die typische Mikrobengemeinschaft eines Fleischfresser-Darms, nicht aber die Bakterienstämme, die in Pflanzenfressern verbreitet sind und dort die Zellulose aus den Pflanzenfasern aufspalten. Der Schluss liegt also nahe, dass die Pandabären aus ihrer Nahrung wenig Nutzen ziehen – sogar noch weniger, als die ohnehin karge Kost unter optimalen Verdauungsbedingungen liefern könnte.

Möglicherweise hat sich in ihrer Evolutionsgeschichte zwar nicht die Darmflora an sich verändert, aber deren Mitspieler: So fanden chinesische Forscher im Jahr 2011 bei ihrer Untersuchung des Panda-Mikrobioms verschiedene "Fleischfresser-Bakterien" der Gattung Clostridium, bei denen Enzyme aktiv waren, die möglicherweise Zellulose aufspalten können. Sie scheinen den Tieren zu helfen, aus ihrem täglichen Grünzeug dann doch noch die nötige Portion Energie herauszuholen.