Nach Ansicht deutscher Forscher könnte die in den letzten Jahren beobachtete Aufheizung der Erde im nächsten Jahrzehnt ausgesetzt werden. Verursacht werde die Pause durch eine natürliche Schwankung von Meeresströmungen im Atlantik, so Noel Keenlyside und seine Kollegen vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften in Kiel. Ab 2020 sei dann aber wieder mit zügig steigenden Temperaturen zu rechnen.

Temperaturanomalien der letzten Jahrzehnte
© Climate Research Unit, University of East Anglia
(Ausschnitt)
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Nach den Computersimulationen der Wissenschaftler schwächt sich die thermohaline Zirkulation im Nordatlantik in den nächsten Jahren ab, so dass weniger warmes Wasser aus den Tropen gen Nordeuropa und Nordpolarmeer transportiert wird. Dadurch kühlen sich Teile Europas, aber auch Nordamerikas und Asiens leicht ab, weil die Energiezufuhr aus Süden schwächelt. Ein ähnliches Phänomen hat sich auch während des letzten Jahrhunderts beobachten lassen, als die Temperaturen nach einem Anstieg vor dem zweiten Weltkrieg wieder ab den 1940er Jahren zwischenzeitlich sanken. Diese Schwankungen bezeichnet man auch als Atlantische Multidekadale Oszillation (AMO), die einen Rhythmus von 60 bis 70 Jahren aufweist.

Den Blick in die Zukunft wagt Keenlysides Team durch eine Rückschau auf die Vergangenheit. Sie entwickelten eine Methode, mit der sie die Meeresströmungen aus den Oberflächentemperaturen des Ozeans ableiteten. Letztere sind für die vergangenen 50 Jahre gut bekannt. Mit dieser zusätzlichen Information konnten sie in ihren Klimamodellen die kurzfristigen natürlichen Klimaschwankungen vorhersagen, welche die seit mehr als einem Jahrhundert beobachtete, vom Menschen verursachte Erwärmung bisweilen überlagern.

Gebremste Erwärmung
© IFM-Geomar
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Die derart verbesserten Klimaprognosen lassen nun vermuten, dass sich die Aufheizung zukünftig etwas abschwächt – allerdings nur für maximal 15 bis 20 Jahre. Anschließend setzt sich der Klimawandel wieder verstärkt fort: "Den generell nach oben weisenden Trend überlagert nur eine Art Schwingung, die in langen Zeitabständen wiederkehrt. In den nächsten Jahren führt sie zu einem geringeren Temperaturanstieg", fasst Mojib Latif, der Leiter der Forschungsgruppe zusammen. Das bedeute aber nicht, dass es deshalb keine von Menschen ausgelöste Erderwärmung gäbe. (dl)