Der europäische Feuersalamander gerät unter erheblichen Druck durch einen eingeschleppten Pilz. Nur wenige Tiere überleben die Infektion, und die sie überleben, bilden keine Immunresistenz gegen die Krankheit. Das ergab eine zweijährige Langzeitstudie in Belgien, in deren Verlauf die untersuchte Feuersalamanderpopulation vollständig ausstarb.

Von ihren Ergebnissen berichten Forscher um An Martel von der Universität Gent aktuell in "Nature". In einem begleitenden Kommentar schreibt ihr Kollege Matthew Fisher vom Imperial College London, der Pilz Batrachochytrium salamandrivorans zeige die drei Eigenschaften eines "perfekten Erregers": Die Ansteckungsgefahr sei sehr hoch, das Immunsystem des Opfers machtlos, und die Zwischenstadien in freier Natur seien äußerst langlebig.

Tatsächlich können die Sporen dieses Pilzes ein Dauerstadium bilden, in dem sie monatelang überdauern. Der kurz "Bsal" genannte Pilz werde also kaum je von allein aus der Umwelt verschwinden, fürchten die Forscher. Ihre Versuche hatten zudem gezeigt, dass die Bsal-Sporen an den Füßen von Wasservögeln weite Distanzen zurücklegen können. Außerdem ließ die Virulenz des Erregers über den beobachteten Zeitraum nicht nach, die Infektion verlief am Ende genauso heftig wie zu Beginn.

Der Erreger befällt die Haut der Tiere und führt zu Apathie und Appetitlosigkeit. Am Ende stirbt in den meisten Fällen das erkrankte Tier. Bei ihrer 2014 begonnenen Studie stellten die Forscher fest, dass nach einem halben Jahr bereits 90 Prozent der Feuersalamander dem Pilz zum Opfer gefallen waren. Nach zwei Jahren gab es im belgischen Untersuchungsgebiet überhaupt keine Feuersalamander mehr. Betroffen sind vor allem geschlechtsreife Tiere, die bei der Paarung den Erreger weiterreichen. Allerdings kann Bsal auch indirekt übertragen werden: Sporen, die von einem befallenen Salamander am Boden abgestreift werden, bleiben bis zu 48 Stunden lang infektiös.

Der Pilz war erstmals 2013 in den Niederlanden gesichtet worden. Inzwischen ist er in die Nachbarländer vorgedrungen, darunter auch Deutschland. Hier zu Lande befällt er neben den Feuersalamandern (Salamandra salamandra) auch den Bergmolch (Ichthyosaura alpestris). Ursprünglich stammt er aus Ostasien, nach Europa gelangte er durch Importe von Amphibien. Er gehört wie der nicht minder gefährliche Verwandte Batrachochytrium dendrobatidis zu den Chytridpilzen.