Kometensonde Rosetta: Philaes Primärmission ist beendet

Erstes Philae-Bild nach der Landung auf 67P
© ESA / Rosetta / Philae / CIVA
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Nach rund 60 Stunden auf der Oberfläche des Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko ist die Primärmission der Landesonde Philae am 15. November 2014 zu Ende gegangen. Nun ist die nicht wiederaufladbare Primärbatterie erschöpft. An ihrem dunklen Landeort erreicht die Sonde nicht genug Sonnenlicht, um die Akkus für den Betrieb der wissenschaftlichen Instrumente aufzuladen. Nur rund drei Stunden pro Erdtag fällt Licht auf die Solarzellen von Philae, zu wenig für den Betrieb, der auf eine Sonnenscheindauer von 12 bis 14 Stunden pro Erdtag ausgelegt war. Am 15. November 2014 um 01:36 Uhr MEZ empfing die Muttersonde letztmals Funksignale und Messdaten von Philae.

Philae im Blick der Kamera OSIRIS nach der ersten Landung
© ESA / Rosetta / MPS for OSIRIS Team MPS / UPD / LAM / IAA / SSO / INTA / UPM / DASP / IDA
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Diese Bildsequenz der Kamera OSIRIS an Bord von Rosetta wurde in einem Zeitraum von rund einer halben Stunde um die Landung der Tochtersonde Philae am 12. November 2014 aufgenommen. In den Insets ist Philae vor dem Hintergrund der Kometenoberfläche deutlich zu erkennen. Die ersten drei Insets zeigen den Lander im Anflug auf die Kometenoberfläche, auf dem äußersten rechten Inset schwebt Philae über einem schattigen Gebiet nach dem ersten Abprallen von der Kometenoberfläche.

Zum Glück hielt die Batterie lange genug, dass alle an Bord gespeicherten Messdaten von Philae an die Muttersonde weitergefunkt werden konnten. Erste Einblicke in die von Philae gewonnenen Messdaten gibt es bereits von der Instrumentengruppe MUPUS: Das Akronym steht für "Multi Purposes Sensors for Surface and Subsurface Science", zu Deutsch ungefähr: Vielzwecksensoren für die Erkundung der Oberfläche und oberflächennaher Schichten. MUPUS setzte ein Hammersystem ein, um eine Sonde in den Untergrund des Kometenkerns zu treiben, allerdings machte der Komet hier nicht mit. Obwohl schließlich mit der maximal möglichen Stärke auf das Material der Oberfläche eingeschlagen wurde, konnten die Messsensoren nicht in das Oberflächenmaterial eindringen. Offenbar ist es an diesem immer noch nicht exakt bekannten Landeort so hart wie Silikatgestein. Diese Erkenntnis ließ sich nur mit einer Landesonde vor Ort gewinnen.

In den letzten Betriebsminuten auf der Oberfläche gelang es den Missionskontrolleuren der ESA, den Hauptkörper von Philae um vier Zentimeter anzuheben und um 35 Grad zu drehen. Dadurch wurde die größte Solarzellenfläche in Richtung des Sonnenlichteinfalls geschwenkt. Die ESA hat eine kleine Hoffnung, dass wir doch wieder etwas von Philae hören könnten. In den nächsten Wochen wird sich die Beleuchtungssituation durch die Umlaufbewegung des Kometen um die Sonne so weit verbessern, dass Philae für sehr viel mehr Stunden pro Erdtag Sonnenlicht erhält. Daher haben die Missionskontrolleure die Hoffnung nicht aufgegeben, dass dadurch die Sekundärbatterien von Philae so weit wieder aufgeladen werden, dass die Sonde erneut aktiv werden kann. Auf jeden Fall wird die Muttersonde Rosetta ständig nach Funksignalen von Philae Ausschau halten.

Philae vor dem Kometenkern am 12. November 2014
© ESA / Rosetta / NAVCAM; pre-processed by Mikel Catania
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Auf diesem Bild der Navigationskamera von Rosetta lässt sich der erste Aufsetzpunkt von Philae (großer roter Kreis) und die Sonde selbst nebst Schatten erkennen (kleine Kreise). Das Bild entstand am 12. November 2014 um 17:30 Uhr MEZ, rund eine Stunde nach dem ersten Aufsetzen.

Mit Bildern der Navigationskamera gelang es der ESA mit tatkräftiger Unterstützung von Raumfahrtfans, den ersten Aufsetzpunkt von Philae und die Sonde nebst Schatten vor dem Kometenkern auszumachen. Das Bild entstand am 12. November 2014 um 17:30 Uhr MEZ, rund eine Stunde nach dem ersten Aufsetzen. Am Berührungspunkt lässt sich eine dunkle Verfärbung im Oberflächenstaub erkennen, und Philae nebst Schatten sind nicht weit davon entfernt sichtbar. Nach dem ersten Aufsetzen hatte die Sonde nochmals von der Oberfläche abgehoben und flog rund 110 Minuten lang einen etwa einen Kilometer langen Bogen bis zum zweiten Aufsetzen. Danach machte Philae noch einen sieben Minuten langen Hüpfer, bis sie schließlich endgültig zur Ruhe kam.

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