Mit dem giftigen Schwermetall Blei verseuchte Böden könnten mit der Unterstützung verschiedener Pilzarten effektiver gereinigt werden, als dies bislang möglich ist, meinen Forscher von der University of Dundee in Schottland. Das Team um Geoffrey Michael Gadd hat entdeckt, dass Blei in mit Pilzen versetzten Bodenproben schneller in ein unlösliches Mineral umgesetzt wird. Das Schwermetall wird dabei immobilisiert und kann dann nicht mehr weitergetragen werden, um sich etwa in der Nahrungskette anzureichern.

Die genaue Rolle der Pilze in dieser biologisch induzierten, beschleunigten Bleimineralisierung ist allerdings noch unklar. Wahrscheinlich sorgen sie durch verschiedene freigesetzte organische Säuren dafür, dass an der Oberfläche von Bleitropfen kurzfristig löslichere Oxide entstehen, die dann schnell mit Phosphat über verschiedene Zwischenprodukte zu einer Kruste reagieren. Das angereicherte Endprodukt dieser Biokorrosions-Reaktionskette waren in den Versuchen der Forscher nach einigen Wochen jedenfalls größere Mengen von Chloropyromorphit Pb5[PO4]3Cl, einem unlöslichen und daher ungefährlichen Bleimineral.

Die chemische Entgiftung von Blei im Boden mit Phosphat wird bereits seit längerem versuchsweise praktiziert. Sie galt allerdings nicht als effizient – in manchen Versuchen etwa auf Schießanlagen wurden nur 30 Prozent des Bleis im Boden umgesetzt, geben Gadd und Kollegen zu bedenken. Der gezielte Einsatz von Pilzen könnte diesen Wert deutlich erhöhen, hoffen die Forscher. Als Kandidaten in ihrem Versuch haben sich mehrere Spezies empfohlen, die sie aus dem Boden alter Bleiminen in Schottland isoliert hatten, zum Beispiel der verbreitete Bodenpilz Metarhizium anisopliae oder der Schimmelpilz Paecilomyces javanicus.

Das Schwermetall Blei gelangt oder gelangte zum Beispiel über verbleites Benzin, verschiedene industrielle Verbrennungsprozesse sowie aus Bleirohrleitungen, Farben oder Lacken in die Umwelt. Besonders stark bleihaltig kann der Boden von Schießanlagen werden: Im Auftrag der Landesregierung Baden-Württembergs überschlugen Fachleute vor einigen Jahren, dass auf Anlagen zum Tontaubenschießen nach jährlich 50 000 Schuss in 25 Jahren rund 30 Tonnen Blei pro Hektar zu Boden fallen können, wenn der übliche Bleischrot als Munition dient.