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Umweltgifte

Pilze zerlegen gefährliche Plastik-Inhaltsstoffe

Der häufige und womöglich gesundheitsschädliche Plastikinhaltstoff Bisphenol A (BPA), der in vielen Alltagsgegenständen aus Kunststoff enthalten ist, könnte mit Hilfe eines Pilzes schnell und umweltverträglich abgebaut werden, zeigen die Forscher Trishul Artham und Mukesh Doble vom Indian Institute of Technology in Madras. Besonders gut funktioniert dies aber nur, wenn die BPA-haltigen Polycarbonat-Kunstoffe zuerst mit ultraviolettem Licht vorbehandelt und mürbe gemacht werden.

Pilze gegen Polycarbonate
Pilze gegen Polycarbonate | Verschiedene Pilze könnten Polycarbonate umweltfreundlich entsorgen, ohne die enthaltenen, womöglich gesundheitsgefährdenden Bisphenol-A-Monomere freizusetzen. Der Kunststoff sollte allerdings zuvor mit UV-Strahlung oder Hitze mürbe gemacht werden.
Artham und Doble isolierten zwei Pilzstämme aus dem Boden und brachten sie für 12 Monate gegen Polycarbonat-Kunststoffe in Stellung. Parallel testeten sie die Wirkung von in Kulturen gezüchteten Phanerochaete chrysosporium, einem genügsamen, ursprünglich Holz verdauenden Pilz, der schon für den Abbau von verschiedenen robusten Umweltgiften eingesetzt wird. Alle Pilze wuchsen auf dem Plastik und zerlegten es innerhalb eines Jahres teilweise, ohne dabei BPA frei zu setzten. Dies gelang besonders P. chrysosporium, aber im geringeren Maße auch den anderen Pilzen vor allem dann, wenn die Kunststoffe vorher für 30 Tage auf 100 Grad erhitzt wurden oder für nur 10 Tage mit UV-C-Licht bestrahlt wurden.

Die Vorbehandlung des Plastiks verändere offenbar die Molekülstruktur so, dass die stammspezifisch unterschiedlichen Enzyme der Pilze besser angreifen konnten, spekulieren die Forscher. Wahrscheinlich führt die Bestrahlung zu Bindungsbrüchen in der Polycarbonatkette und sorgt so für mehr freie Methylenden, die von den Pilzen oxidiert werden können.

BPA ist eine dem Geschlechtshormon Östrogen ähnliche Substanz, die in Polycarbonat-Kunststoffen und Kunstharzen eingesetzt wird. Jährlich produziert die Industrie gut zweieinhalb Millionen Tonnen BPA-haltiger Kunststoffe für Nahrungsmittelverpackungen, Zahnfüllungen, Kosmetikprodukte und Gebrauchsgegenstände aus Plastik, von Trinkbechern und Babyfläschchen bis hin zu CD-Hüllen und Brillengläsern. Besonders aus altem, angegriffenem und erhitztem Plastik können die Substanzen freigesetzt werden. Aus der Umwelt stammende Xeno-Östrogene wie BPA stehen seit längerem unter Verdacht, zumindest bei Mäusen Krebs fördern zu können. Laut Bundesamt für Risikobewertung (BfR) wird Bisphenol A im menschlichen Körper aber schnell in ein hormonell unwirksames Stoffwechselprodukt umgewandelt und ausgeschieden. (jo)
4. KW 2010

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 4. KW 2010

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  • Quellen
Artham, T., Doble, M.: Biodegradation of Physicochemically Treated Polycarbonate by Fungi. In: Biomacromolecules 11, S. 20–28, 2010.

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