Der Mathematiker Marvin Minsky, der unter anderem die Theorie der Systemischen Intelligenz etablierte und die Kryonik als Methode der Unsterblichkeit populär machte, ist im Alter von 88 Jahren verstorben. In den 1950er Jahren begründete er am MIT zusammen mit John McCarthy die Disziplin der künstlichen Intelligenz, ein Gebiet, das er Zeit seines Lebens mitprägte. Nicht zuletzt etablierte er den Begriff, den Kritiker bis heute als zu hoch gegriffen kritisieren. Minsky vertrat das Bild eines Gehirns, das funktioniert wie eine Maschine und dessen Funktionen man deswegen prinzipiell in Maschinen nachbilden kann. Seine Vorstellung, dass der Geist aus dem Zusammenspiel vieler Agenten hervorgeht, ist die Grundlage neuronaler Netze.

Neben seinen einflussreichen theoretischen Ideen hatte Minsky auch einen Blick für Technik und konstruierte immer wieder praktische Anwendungen seiner Konzepte. Die logische technische Fortsetzung seiner Ansichten über Geist und Intelligenz, nämlich die Gehirne Verstorbener einzufrieren, um in Zukunft ihren Geist in eine Apparatur zu übertragen, bleibt aber bis heute in weiter Ferne. Mit Vorhersagen über die technische Zukunft, speziell im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz, hatte Minsky generell nicht immer ein glückliches Händchen. Auch die Forschung im Bereich künstlicher Intelligenz orientiert sich heute weniger am biologischen Vorbild als er. Dennoch war er einer der bedeutendsten Denker des 20. Jahrhunderts. Minsky starb am 24. Januar in Boston.