Klimazonen, Eisströme und Dunstschleier – in den neuesten Bildern und Daten der NASA präsentiert sich Pluto als ebenso aktive wie rätselhafte Welt. Genaueres weiß man nun über Plutos Herz: Das inoffiziell Tombaugh Regio genannte Gebiet auf der Oberfläche besteht wohl aus Stickstoff-, Methan- und Kohlenmonoxidschnee, der aus der Quellregion im Westen der Struktur auf der Oberfläche verweht wird. Doch das ist bloß eine Entdeckung unter vielen: Der Blick zurück auf Pluto vor der Sonne zum Beispiel zeigt erstmals die Atmosphäre im Bild.

Atmosphärenhalo um den dunklen Pluto
© NASA/JHUAPL/SwRI
(Ausschnitt)
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Eine Sonnenfinsternis lässt die Dunstschichten in der dünnen Atmosphäre des Pluto aufscheinen.

Messungen des Brechungsindexes der Atmosphäre enthüllten Dunstschleier in der Atmosphäre des Zwergplaneten, die weit höher über der Oberfläche stehen, als man zuvor vermutet hatte. Sie bestehen wohl aus kondensierten Kohlenwasserstoffen wie Ethan und Ethen, die höher in der Atmosphäre durch die UV-Strahlung der Sonne aus Methan entstehen.

Struktur der Dunstschleier in Plutos Atmosphäre
© NASA/JHUAPL/SwRI
(Ausschnitt)
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Die Dunstschleier sind weit höher, als man zuvor für möglich hielt – ein Indiz dafür, dass die hohe Plutoatmosphäre kühler ist als gedacht.

Die Messungen ergaben zugleich eine Art interne Struktur des Dunstes – zwei unterschiedliche Schichten scheinen sich in 31 und 52 Meilen Höhe über dem Boden zu befinden. Möglicherweise, hieß es in der Pressekonferenz, seien sie erste Hinweise auf Wetter auf Pluto. Ebenso mysteriös sind die ersten Messungen des Atmosphärendruckes an der Oberfläche. War er seit 1989 kontinuierlich angestiegen, scheint er nun sehr abrupt um die Hälfte gefallen zu sein.

Falschfarbenbild des Pluto
© NASA / JHUAPL / SwRI
(Ausschnitt)
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Dieses Falschfarbenbild zeigt die deutliche Aufteilung der Plutooberfläche von Pol zu Äquator. Nur das "Herz" durchbricht das Muster.

Ein weiterer Hinweis auf die Bedeutung der Atmosphäre liefert die starke Zonierung des Planeten: Je nach Breitengrad ist die Oberfläche anders zusammengesetzt, wie das Falschfarbenbild deutlich zeigt. Auch hier offenbart sich Pluto als vielseitige und dynamische Welt mit vielen unterschiedlichen Strukturen.

Stickstoffgletscher am Nordrand des Sputnik Planum
© NASA/JHUAPL/SwRI
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Wo die Eisfläche des Sputnik Planum in das raue Terrain weiter im Norden übergeht, fließen Eisströme um Berggipfel, in Täler und alte Krater – ganz wie am Rand irdischer Eiskappen. Die Strukturen sind fast kraterfrei und deswegen nicht älter als einige Millionen Jahre. Es gibt keinen Grund, weshalb sie nicht auch heute noch fließen sollten.

Die bemerkenswerteste Region ist wohl eine große Eisfläche namens Sputnik Planum. Sie besteht aus gigantischen Eispolygonen, die an den Rändern des Terrains in veritable Gletscher überzugehen scheinen, die in die umgebenden Gebiete abfließen und dort zum Beispiel Krater füllen. Das Eis ist vermutlich Stickstoffeis, abgesehen davon allerdings ähneln die Randgebiete der Eisfläche frappierend den irdischen Gletschern.

Diese spektakulären Bilder sind jedoch erst einmal bis etwa Mitte September die letzten. Bis dahin werden erst einmal andere, vielleicht noch aufschlussreichere Messdaten übertragen. Man kann davon ausgehen, dass noch viele spektakuläre Entdeckungen bevorstehen: Bisher hat die Sonde kaum fünf Prozent aller Daten gesendet.