Rund fünf Monate hatte sie geschlafen, im Fachjargon "hiberniert" genannt, bevor eine Zeitschaltuhr die US-Raumsonde New Horizons wieder aufweckte und sich ihre Geräte einschalteten. Derzeit sind die Missionskontrolleure vom Applied Physics Laboratory an der Johns Hopkins University in Maryland dabei, die Sonde aus einer Entfernung von 5,8 Milliarden Kilometern – das ist der 39-fache Abstand Erde-Sonne – durchzuchecken. Keine ganz einfache Aufgabe, denn die Laufzeit eines Funksignals von der Erde zu New Horizons dauert derzeit 5 Stunden und 24 Minuten in eine Richtung. Somit müssen die Forscher mehr als zehn Stunden auf eine Reaktion der Sonde warten. Die vielmonatigen Ruhephasen dienen einerseits dazu, die Ressourcen an Bord von New Horizons zu schonen, aber andererseits auch, Personalkosten bei der Flugüberwachung einzusparen. Der Hauptzweck von New Horizons war die erste Naherkundung des Zwergplaneten Pluto und seiner fünf Monde.

Nach ihrer Aktivierung wird New Horizons für rund vier Monate als Weltraumteleskop genutzt, um mit ihrer hochauflösenden Kamera LORRI, einem 21-Zentimeter-Spiegelteleskop mit einem Gesichtsfeld von 0,29 mal 0,29 Grad und 1024 mal 1024 Pixel, Objekte des Kuipergürtels zu beobachten. Zwar ist die Sonde den Mitgliedern des Kuipergürtels jenseits der Umlaufbahn des Planeten Neptun sehr viel näher als wir hier auf der Erde, dennoch sind die Distanzen zu ihnen so groß, dass auch LORRI sie nur als bewegliche Punkte vor dem Hintergrund des Sternenhimmels aufnehmen kann. Aus diesen Daten lassen sich aber wertvolle Informationen über die Größe und die Gestalt dieser Objekte ableiten. Zudem sind die Instrumente von New Horizons aktiv, um die Strahlungsbedingungen in diesem Bereich des Sonnensystems und die dortigen Gehalte an Gas und Staub zu untersuchen.

Die Projektwissenschaftler planen auch ein Software-Update, um die Sonde auf den neuesten Stand zu bringen und für ihr nächstes wichtiges Rendezvous vorzubereiten: Am 1. Januar 2019 wird sich New Horizons bis auf etwa 3500 Kilometer dem Kuipergürtelobjekt 2014 MU69 annähern, das maximal etwa 30 Kilometer lang ist. Möglicherweise handelt es sich dabei um einen Doppelkörper aus zwei sich berührenden kleineren Objekten. Bislang sollte die Sonde rund 12 000 Kilometer Abstand zu 2014 MU69 halten. Verbesserte Daten über die Bahn und die Größe des kleinen Himmelskörpers ließen nun aber eine Verringerung des Abstands zu, so dass wir auf wesentlich schärfere Bilder von ihm als ursprünglich erwartet hoffen können.

Vielleicht ist aber mit dem Vorbeiflug an 2014 MU69 die Mission von New Horizons noch gar nicht vorbei. Alan S. Stern, der Chefwissenschaftler der Mission, deutete auf einer Fachtagung der NASA an, dass die Sonde an einem noch weiter von uns entfernten Objekt im Kuipergürtel vorbeifliegen könnte – vorausgesetzt, die NASA finanziert eine erneute Missionsverlängerung. Derzeit suchen die Forscher noch nach einem erreichbaren Himmelskörper, doch Stern ist zuversichtlich, dass sich mit den stetig verbesserten Suchverfahren ein geeigneter Kandidat finden lässt.