Nicht immer muss man weit fahren, um Polarlichter sehen zu können. Gelegentlich tun sie einem auch den Gefallen und kommen zu uns. In der Nacht vom 24. auf den 25. Januar 2012 besteht die Chance, auch in unseren Breiten Polarlichter zu erleben. Am 23. Januar um 5 Uhr MEZ ereignete sich auf der Sonne ein recht heftiger Ausbruch, der von einem solaren Materieauswurf gefolgt wurde. Dieser bewegt sich mit einer Geschwindigkeit von 2200 Kilometern pro Sekunde auf die Erde zu und wird nun auf das Magnetfeld der Erde treffen. Die Gasmassen des Auswurfs schieben dabei das Magnetfeld auf der der Sonne zugewandten Seite der Erde zusammen, so dass ein magnetischer Sturm entsteht. Dabei kommt es auch zum Aussenden sichtbaren Lichts durch ionisierte Atome von Stickstoff und Sauerstoff in der Hochatmosphäre, ein Polarlicht ist die Folge.

Sonneneruption vom 23. Januar 2012
© NOAA
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernSonneneruption vom 23. Januar 2012
Die Ankunft des Materieauswurfs wird am 24. Januar gegen 16 Uhr MEZ erwartet, bei Anbruch der Dunkelheit könnte es sich bei klarem Himmel lohnen, nach ungewöhnlichen Leuchterscheinungen Ausschau zu halten. Polarlichter können sehr variabel sein und verändern sich oft innerhalb weniger Minuten. Mal erscheinen sie als ein grünliches oder rötliches homogenes Leuchten und können somit in Stadtnähe durch die Lichtverschmutzung kaum auffallen. Aber auch leuchtende Bögen oder flirrende Girlanden sind möglich. Das grüne Leuchten entsteht überwiegend durch angeregte Sauerstoffatome, die sich in Höhen von rund 100 Kilometern zum Erdboden befinden. Das rötliche bis violette Licht geht dagegen von Stickstoffatomen aus. Sein Leuchten zeigt sich meist nur nach heftigen Sonneneruptionen. Eine Gefahr für die Menschen am Boden geht von diesen Ereignissen nicht aus. Gelegentlich können aber die geladenen Partikel des Sonnenwinds die Elektronik von Satelliten verwirren, so dass es zu Aussetzern kommt. Bei extrem starken Materieauswürfen, dieser gehört nicht dazu, können durch die Änderungen im irdischen Magnetfeld starke Überspannungen in Überlandleitungen induziert werden. Dadurch werden gelegentlich Hochspannungs-Transformatoren überlastet, so dass in weiten Regionen der Strom ausfällt.