Schwedische Forscher haben das klassische "Gummihand-Experiment" um einen raffinierten neuen Aspekt erweitert: Das Team um Arvid Guterstam und Studienleiter Henrik Ehrsson vom Karolinska Institutet in Stockholm gab seinen Probanden das Gefühl, einen dritten Arm zu besitzen.

Bei der herkömmlichen Variante des Experiments sitzen Probanden an einem Tisch und blicken auf eine vor ihnen liegende, lebensechte Gummihand. Ihre richtige Hand halten sie hingegen versteckt unter der Tischplatte. Dann berührt der Experimentator sowohl das Imitat als auch die echte Hand simultan mit einem Pinsel. Die widersprüchliche Kombination aus visuell wahrgenommener und gefühlter Berührung erzeugt bei den Freiwilligen den Eindruck, die vor ihnen liegende Hand sei ihre eigene.

Klassisches vs. neues Experiment
© Guterstam, A. et al.: The Illusion of Owning a Third Arm. In: PLoS ONE 6, e17208, 2011, fig. 3
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernKlassisches vs. neues Experiment
Beim klassischen Versuchsaufbau (rechts) sieht der Proband seine richtige Hand nicht – hier ist sie durch ein Brett vor seinen Augen verborgen. Sieht der Freiwillige hingegen seine Hand, fügt er den Gummiarm seinem Körperbild hinzu, anstatt seinen richtigen Arm durch das Imitat zu ersetzen.
Die schwedischen Forscher baten hingegen ihre Freiwilligen, den rechten Arm gut sichtbar vor sich auf den Tisch zu legen. Wenn sie nun wieder beide Extremitäten simultan streichelten, müsste dies im Hirn einen Konflikt erzeugen, welcher der Arme der "richtige" sei, mutmaßten die Wissenschaftler.

Anders als von den Forschern erwartet, entscheide sich das Gehirn allerdings nicht für einen der beiden Arme. "Überraschenderweise löst es den Konflikt, indem es beide als Teil des inneren Körperbild akzeptiert", erläutert Guterstam. "Die Versuchspersonen haben das Gefühl, nun drei Arme zu haben."

Dass das Gehirn Körperteile als die eigenen empfinden kann, selbst wenn sie nicht im natürlichen Bauplan des menschlichen Körpers vorgesehen sind, könnte eines Tages beim Prothesenbau nützlich werden, hofft sein Kollege Ehrsson. Aber auch Philosophen stützen sich immer wieder auf solche Experimente, um klassische Konzepte des Selbstbilds zu hinterfragen.

Dass die Probanden tatsächlich den Kunstarm als ihren eigenen wahrnahmen, überprüften die Forscher, indem sie auf das Imitat mit einem Messer losgingen: Dabei zeigten sich bei den Teilnehmern die gleichen unbewussten Stressreaktionen – etwa unwillkürliche Schweißausbrüche –, wie wenn die Experimentatoren den richtigen Arm bedrohten. (jd)