Seit Beginn der industriellen Revolution hat sich der Gehalt an Quecksilber im Meer verdreifacht. Das berichten Forscher um Carl Lamborg von der Woods Hole Oceanographic Institution im Fachmagazin "Nature". Die Wissenschaftler untersuchten die Quecksilberbelastung insgesamt acht Jahre lang und entnahmen in diesem Zeitraum zahlreiche Proben im Atlantik, im Pazifik und im Arktischen Ozean. Dabei interessierten sie sich vor allem dafür, wie viel von der Belastung dem Menschen zuzuschreiben ist. Diese Frage ist bisher nur schwer zu beantworten gewesen, denn das Schwermetall gelangt sowohl durch Industrieaktivitäten wie die Kohleverbrennung oder die Herstellung von Zement in die Umwelt als auch durch natürliche Ereignisse, etwa die Verwitterung von Gestein.

Lamborg und sein Team bestimmten daher zusätzlich die Quecksilberkonzentration in einer Tiefe von mehr als 1000 Metern unter der Meeresoberfläche, in der das Wasser seit Beginn der industriellen Revolution noch nicht mit der Erdatmosphäre in Kontakt gekommen ist. Zudem setzten die Wissenschaftler den gemessenen Wert ins Verhältnis zum Gehalt an Phosphat und Kohlendioxid. So konnten sie zeigen, dass der Quecksilbergehalt bis zu einer Tiefe von rund einem Kilometer seit damals um das Dreifache zugenommen hat. Insgesamt befinden sich etwa 60 000 bis 80 000 Tonnen des Schwermetalls im Ozean. Besonders stark von dieser Verschmutzung ist offenbar der Nordatlantik betroffen. "Problematisch ist daran vor allem, dass wir nicht wissen, welche Auswirkungen das auf Fische und andere Meereslebewesen hat", so Lamborg. "Es könnte bedeuten, dass Fische auch dreimal so viel Quecksilber in sich aufnehmen wie vor 150 Jahren. Es könnte aber auch noch mehr sein." Auf diesem Weg würde die erhöhte Quecksilberbelastung möglicherweise schließlich auch für den Menschen bedenklich werden.