Die Radio- und Gammablasen der Galaxie Centaurus A
© NASA/DOE/Fermi LAT Collaboration, Capella Observatory, und Ilana Feain, Tim Cornwell und Ron Ekers (CSIRO/ATNF), R. Morganti (ASTRON) und N. Junkes (MPIfR)
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Radiogalaxien sind entfernte, zumeist normale elliptische Riesengalaxien mit einem aktiven Kern, die sich durch überdurchschnittlich starke Radiostrahlung auszeichnen. Riesige Radioblasen, symmetrisch und in einem Abstand von fast einer Million Lichtjahren zum Kern, sind charakteristisch für solche Galaxien.

Als Energiequelle wird ein extrem massereiches Schwarzes Loch mit der Masse von hundert Millionen bis einige Milliarden Sonnenmassen im Kernbereich vermutet. Ausgehend von diesem Kern der Galaxie versorgen Jets aus geladenen Teilchen, die sich fast so schnell wie das Licht bewegen, die Radioblasen mit Energie. Diese Blasen im Radiobereich sind um ein Vielfaches größer als der optisch sichtbare Teil der Radiogalaxie und können mehrere zehn Millionen Jahre im Radiobereich markant glühen.

Die Radioblasen von Centaurus A – mit rund zwölf Millionen Lichtjahren Entfernung die uns am nächsten gelegene Radiogalaxie – wurden nun nach zehnmonatigen Beobachtungen mit dem Large Area Telescope (LAT) des Gammastrahlen-Weltraumteleskops Fermi auch erstmals im Gammastrahlenlicht, der energiereichsten Form von Licht, nachgewiesen und räumlich aufgelöst. Die Ergebnisse gewann ein internationales Team von Wissenschaftlern unter Beteiligung der Innsbrucker Astroteilchenphysiker Anita Reimer und Olaf Reimer.

Überraschende Entdeckung
Centaurus A liegt im Sternbild Zentaur und ist eine der hellsten Galaxien des südlichen Nachthimmels. Mit den Blasen überdeckt Centaurus A eine etwa 20-mal so große Fläche am Himmel wie der Vollmond. Die für astronomische Verhältnisse geringe Entfernung zur Erde erlaubt es den Forschern, am Beispiel dieser Galaxie die Physik aktiver galaktischer Kerne und deren Jets mit einzigartiger Genauigkeit zu untersuchen.

Während die Zentralregion von Centaurus A bereits früher als Gammastrahlenquelle bekannt war, stellt der Nachweis der Radioblasen im Gammalicht eine Überraschung dar. "Die Messungen zeigen, dass die Strahlungsenergie dieser Blasen im Gammabereich etwa zehnfach stärker als im Radiobereich ist", bemerkt Olaf Reimer vom Institut für Astro- und Teilchenphysik der Universität Innsbruck.

Mehr als die Hälfte der gesamten Gammastrahlung von Centaurus A entstammt der nördlichen und der südlichen Blase. "Die geladenen, sich schnell bewegenden Teilchen in den Radioblasen benötigen mindestens eine Energie von 100 bis 1000 Milliarden Elektronenvolt, um durch Kollisionen mit den Photonen des Mikrowellenhintergrunds die von uns gemessene Gammastrahlung zu produzieren", erläutert Anita Reimer von den Instituten für Theoretische Physik und Astro- und Teilchenphysik der Universität Innsbruck.

Die Gesamtenergie, die in beiden Blasen gespeichert ist, liegt damit bei mindestens 10 hoch 51 Joule. "Der Nachweis von Gammastrahlung aus den Blasen von Centaurus A impliziert auch die Frage, inwieweit dies ein allgemeines Merkmal von aktiven galaktischen Kernen darstellen könnte", beschreibt die Theoretikerin Anita Reimer eine noch offene Frage.

Quelle: Universität Innsbruck