Vesta im Blick von Dawn
© NASA, JPL / Caltech / UCLA / MPS / DLR / IDA
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Die neuen Bilder des Kleinplaneten Vesta wurden am 1. Juni 2011 aus einer Entfernung von 481 000 Kilometern oder der 1,3-fachen Mondentfernung aufgenommen. Sie erreichen eine Auflösung von 45 Kilometern pro Bildpunkt und entsprechen damit den besten Bildern von Vesta, die mit dem Weltraumteleskop Hubble entstanden. In den nächsten Tagen und Wochen werden nun die Fotos der Raumsonde immer höhere Auflösungen aufweisen und mehr und mehr Details des rund 530 Kilometer großen Himmelskörpers enthüllen.

Die Aufnahmen von Dawn entstanden mit den in Deutschland am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung entwickelten framing cameras, die derzeit vor allem für die optische Navigation eingesetzt werden. Sie liefern also Bilder, die Vesta vor dem Sternenhintergrund zeigen. Sie dienen dazu, festzustellen, ob sich die Raumsonde exakt auf der für sie vorgesehenen Anflugbahn auf Vesta befindet.

Vesta am 14. Juni 2011
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Obwohl Dawn sich schon relativ nahe an Vesta aufhält, sind die Aufnahmen noch nicht sehr scharf, da die beiden framing cameras mit eher kleinen Objektiven ausgestattet sind und für die Erkundung der Vesta-Oberfläche aus einer nahen Umlaufbahn optimiert wurden. Sie haben eine Öffnung von 20 Millimetern und eine Brennweite von 150 Millimetern, was einem kleinen Teleobjektiv einer Kleinbildkamera entspricht. Der Anblick von Vesta entspricht etwa demjenigen, den ein an Bord von Dawn mitreisender Astronaut mit einem Feldstecher hätte.

Die jetzt freigegebenen 20 Bilder wurden von der NASA zu einem Film zusammengefügt, der die Rotation des unregelmäßig geformten Himmelskörpers und helle und dunkle Partien auf seiner Oberfläche deutlich zeigt. Sie entstanden innerhalb eines Zeitraums von 30 Minuten und decken eine Drehung des Himmelskörpers um 30 Grad ab.

Wenn Dawn in eine Umlaufbahn um den Hauptgürtelasteroiden einschwenkt, der zwischen den Umlaufbahnen von Mars und Jupiter die Sonne umrundet, wird sich die Sonde bis auf 200 Kilometer an dessen Oberfläche heranpirschen und Bilder mit extrem hoher Auflösung zur Erde funken. Bislang war jedoch das Forscherteam von Dawn sehr zögerlich mit der Freigabe von Bildern vom Anflug auf Vesta, was in den USA auch eine Welle der Kritik auslöste. Offenbar machte diese auf die NASA Eindruck, so dass sie nun rasch Aufnahmen von Vesta freigeben ließ.

Tilmann Althaus