Noch sind es rund zwei Monate, die uns vom Vorbeiflug der US-Raumsonde New Horizons am Zwergplaneten Pluto trennen. Aber schon jetzt beobachtet die Raumsonde systematisch Pluto, um ihre Bahn durch das aus insgesamt sechs Himmelskörpern bestehende System zu optimieren. Dazu gehört auch, nach möglichen Gefahren für New Horizons Ausschau zu halten, zum Beispiel nach bislang unbekannten Monden oder auch Ringen aus Staub, welche Pluto oder Charon umgeben könnten. Da sich New Horizons bei ihrem Vorbeiflug am 14. Juli 2015 mit rund 50 000 Kilometer pro Stunde (14 Kilometer pro Sekunde) relativ zu Pluto und seinen Trabanten bewegt, wäre schon der Zusammenstoß mit einem Objekt von der Größe eines Reiskorns das Ende für die Sonde. Bereits ein Sandkorn könnte sie bei dieser Geschwindigkeit stark beschädigen. Allerdings gehen die Missionsplaner derzeit davon aus, dass eine Wahrscheinlichkeit von 1 zu 10 000 besteht, dass New Horizons beim Vorbeiflug beschädigt oder zerstört wird.

Alternative Flugrouten durch das Pluto-System
© NASA / JHU Applied Physics Laboratory / Southwest Research Institute
(Ausschnitt)
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Sollten wenige Wochen vor dem Vorbeiflug am 14. Juli 2015 gefährliche Objekte wie bislang unbekannte Monde oder Staubringe um Pluto entdeckt werden, so ließe sich die Bahn der Raumsonde New Horizons (rot) noch verändern (gelbe Linien). Dafür würde eine kurze Zündung des Bordantriebs der Sonde ausreichen.

Schon im Vorfeld der Mission und während des mehr als neunjährigen Flugs zu Pluto wurde mit dem Weltraumteleskop Hubble und erdgebundenen Großteleskopen das Umfeld von Pluto intensiv untersucht, wodurch in der Folge die vier kleinen Plutomonde entdeckt wurden. Sie umrunden den Zwergplaneten außerhalb der Bahn des großen Trabanten Charon. Sollte New Horizons bei ihrem Anflug weitere Monde im Bereich der bereits bekannten Trabanten entdecken, so wäre dies für die Missionsplaner keine sehr große Überraschung. Sorgen macht ihnen aber, dass sich im Bereich der Bahnen der kleinen Monde auch noch viele kleine Trümmerstücke befinden könnten, die durch Meteoriteneinschläge auf den Kleintrabanten herausgeschlagen wurden und sich in der Nähe von deren Umlaufbahnen aufhalten.

Aber es könnte noch eine weitere Gefahr im Plutosystem lauern, denn sowohl Pluto als auch Charon könnten von Staubringen umgeben sein. Diese wären je nach Dichte und Ausdehnung ein großes Risiko für New Horizons. Erst kürzlich wurden um zwei Kleinplaneten im äußeren Sonnensystem Ringsysteme entdeckt, so dass die Vorstellung von Plutoringen ganz und gar nicht abwegig ist. Bislang blieben jedoch alle Suchen von der Erde aus ohne Erfolg. Daher sucht die Sonde nun mit ihrer Telekamera LORRI gezielt nach bislang unbekannten Objekten bei Pluto. Insgesamt sieben Suchen sind bis zum 1. Juli 2015 vorgesehen. Die letzte Chance, die Bahn von New Horizons durch ein Schubmanöver mit dem Bordantrieb zu verändern, um einer Gefahr auszuweichen, ergibt sich am 4. Juli 2015. Man darf gespannt sein, was die Sonde bereits bei ihrem Anflug alles entdecken wird.