Intakte Tropenwälder nehmen etwa 20 Prozent der jährlich von der Menschheit verursachten Kohlendioxidemissionen auf und sind damit effektive Kohlenstoffspeicher. Allein die afrikanischen Regenwälder des Kongobeckens entziehen der Atmosphäre jedes Jahr 1,2 Milliarden Tonnen CO2, wie Erhebungen von Simon Lewis von der University Leeds und seinen Kollegen zeigen.

Im Kongo
© Simon Lewis
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Die Forscher griffen dazu auf 40-jährige Datenreihen von 79 Testflächen im Urwald Gabuns zurück: Alle dort stehenden Bäume mit einem Stammdurchmesser von mehr als zehn Zentimetern wurden in dieser Zeit vermessen und ihr Dickenwachstum vermerkt, aus dem sich wiederum der Biomassezuwachs berechnen lässt: Jeder Hektar speicherte demnach 0,6 Tonnen Kohlenstoff pro Jahr, ohne dass darin schon die ebenfalls aktiven Wurzeln und kleineren Holzgewächse berücksichtigt wären.

Die Zahlen von Lewis ähneln jenen des Amazonasbeckens und Südostasiens, wo ähnliche Erhebungen laufen. Insgesamt könnten die Regenwälder damit 4,8 Milliarden Tonnen CO2 im Jahr aufnehmen, was sie zur bedeutendsten Kohlenstoffsenke an Land macht: Rund 50 Prozent der landgebundenen Speicherkapazität entfällt auf dieses Ökosystem – mehr nehmen nur die Ozeane auf. Alle Senken zusammen absorbieren etwas mehr als die Hälfte der von der Menschheit jährlich produzierten 32 Milliarden Tonnen CO2, der Rest bleibt in der Atmosphäre und trägt zur Erderwärmung bei.

Warum aber selbst intakte Regenwälder zusätzlich Kohlenstoff einlagern und nicht in einem Gleichgewicht aus Aufnahme und Abgabe – etwa durch Atmung oder aus sich zersetzendem Bestandsabfall – stehen, lässt die Forscher rätseln. Möglicherweise düngt das zusätzliche CO2 die Pflanzen und regt deren Wachstum an. Helene Muller-Landau vom Smithsonian Tropical Research Institute im panamaischen Balboa vermutet dagegen einen anderen Grund: Ihrer Meinung nach könnten sich die Regenwälder immer noch von früheren schweren Eingriffen des Menschen erholen und hätten folglich "Nachholbedarf". Die Regenwaldgebiete Amazoniens oder des Kongo waren vor Ankunft der Europäer womöglich viel dichter besiedelt als heute und die Waldflächen kleiner. Krankheiten und Kriege entvölkerten diese Gebiete, und seitdem regenerieren sie sich, so Muller-Landau. (dl)