Sehr gute Beobachtungsbedingungen erwarten uns in diesem Jahr für die Sternschnuppen der Geminiden, deren Maximum auf die Abendstunden des 14. Dezember fällt. Der Radiant, also die Region, von denen die Meteore am Himmel hervorzuströmen scheinen, erreicht zwar erst gegen 2 Uhr Ortszeit seine größte Höhe, doch werden dann noch genug Meteore für eine unterhaltsame Beobachtung "übrig" sein. Die Geminiden sind nach dem lateinischen Namen Gemini für das Sternbild Zwillinge benannt, in dem sich der Radiant befindet. Der dünne zunehmende Mond geht schon kurz nach dem Ende der Dämmerung unter, so dass sein Licht die Beobachtungen nicht stört. Über aktuelle Entwicklungen bei den Geminiden und anderen Meteorströmen können Sie sich beim Arbeitskreis Meteore informieren.

Ab etwa 20 Uhr Ortszeit ist es sinnvoll, nach Sternschnuppen Ausschau zu halten, wenn der Radiant eine Höhe von 30 Grad über dem Horizont erreicht. Bis zu 120 Meteore pro Stunde können bei den Geminiden zu sehen sein. Dies gilt allerdings nur für ideale Bedingungen unter einem tief dunklen Nachthimmel abseits der Städte. Die beobachtbaren Raten verringern sich aber zum einen mit der Höhe des Radianten – genau genommen mit dem Sinus der Höhe – und zum anderen werden sie kleiner, wenn der Himmel beispielsweise durch künstliches Licht aufgehellt ist. Gegen Mitternacht kann man bei guten Bedingungen in Stadtnähe maximal 70 Sternschnuppen pro Stunde erwarten. Das ist immer noch ein recht beeindruckendes Schauspiel. Aber schon in den Tagen vor dem eigentlichen Maximum sind zahlreiche Sternschnuppen der Geminiden zu sehen, der Blick an den Himmel lohnt sich also bereits.

Sternbild Zwillinge
© SuW-Grafik / Stellarium
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernDie Geminiden im Sternbild Zwillinge
Die Richtung, aus welcher der Meteorschauer der Geminiden zu kommen scheint, befindet sich im Sternbild Zwillinge. In den Nächten um den 14. Dezember werden die höchsten Sternschnuppen-Raten erwartet.

Zu den Geminiden kommen noch rund zehn Meteore anderer Ströme und sporadische Meteore hinzu. Wegen der relativ geringen Eintrittsgeschwindigkeit von rund 34 Kilometern pro Sekunde erscheinen die Geminiden-Meteore vergleichsweise langsam, in der Nähe des Radianten sogar sehr langsam. Der gesamte Aktivitätszeitraum erstreckt sich etwa über den Zeitraum vom 4. bis zum 17. Dezember. Die Aktivitätskurve ist dabei unsymmetrisch: Schon kurz nach der Maximumsnacht am 14. Dezember fallen die Raten rapide ab. Typisch für die Geminiden ist jedoch die Zunahme des Anteils heller Meteore im Verlauf der Maximumsnacht und danach. Dieser auch als Massensegregation bezeichnete Effekt lässt sich sogar in den Ergebnissen von Teilchensimulationen der Geminiden finden.

Die Leuchterscheinungen werden durch Teilchen erzeugt, die mit hoher Geschwindigkeit in die Erdatmosphäre eintreten und dabei verglühen – im Fall der Geminiden mit 34 Kilometer pro Sekunde oder 122 000 Kilometer pro Stunde. Die eintretenden Teilchen bilden dabei in der Erdatmosphäre eine keilförmige Stoßwelle aus. In dieser Stoßwelle werden durch die hohen Geschwindigkeiten Temperaturen von mehr als 10 000 Grad Celsius erreicht. Diese Hitze sorgt dafür, dass die Teilchen beim Eintritt völlig verglühen und höchstens feinster Staub zurückbleibt. Schon ein Partikel von der Größe eines Sandkorns erzeugt eine sichtbare Sternschnuppe, ein faustgroßes Objekt leuchtet schon auffällig hell. Ein Objekt von der Größe eines Fußballs kann sogar eine Sternschnuppe erzeugen, die für Sekundenbruchteile heller als der Vollmond leuchten kann. Solch extrem helle Sternschnuppen werden Boliden oder Feuerkugeln genannt.

Die Staubteilchen, die für die alljährlich wiederkehrenden Dezember-Schauer verantwortlich sind, bilden im Sonnensystem eine Staubspur, die mit der Bahn des erst 1983 entdeckten Kleinkörpers 3200 Phaethon übereinstimmt. Er weist einen Durchmesser von rund fünf Kilometern auf und umrundet die Sonne auf einer hochexzentrischen Bahn innerhalb von rund 523 Tagen. Die Oberfläche des Asteroiden besteht aus festem Gestein, doch bei Beobachtungen in den letzten Jahren zeigte sich, dass der Körper bei seinen nahen Sonnenannäherungen auch Staub ausstößt.