News | 29.07.2010 | Drucken | Teilen

Vogelzug

Reisedrang macht Zugvögel hyperaktiv

Zonotrichia leucophrys
© Franz Goller, University of Utah
Manche Dachsammern ziehen im Frühjahr in ein nördlicheres Brutgebiet und im Herbst wieder zurück in den Süden. Die damit einhergehende Zugunruhe beeinträchtigt die Selbstkontrolle, stellten Wissenschaftler fest. Denn die Tiere reagieren impulsiver, doch Schlafmangel allein erklärt dieses Verhalten nicht.

Forscher um Ruth Benca von der University of Wisconsin-Madison hatten untersucht, wie sich verkürzte Schlafphasen auf Dachsammern (Zonotrichia leucophrys) mit und ohne Zugunruhe auswirken. Unabhängig vom Ausmaß des Reisedrangs hatten alle Vögel erfolgreich gelernt, auf einen Schalter zu picken, um zur Belohnung Futter zu erhalten. Die Tiere mit Zugunruhe hatten allerdings große Mühe zu lernen, sich in einem anderen Experiment mit dem Picken zurückzuhalten: Sie schafften es schlechter als die Artgenossen außerhalb der Zugunruhe, die geforderte Zeitpause von 20 Sekunden einzuhalten.

Wie die Wissenschaftler in verschiedenen weiteren Experimenten nachwiesen, gibt es für das impulsivere Verhalten keinen Zusammenhang mit kürzeren Schlafphasen – auch im Sommer schlafen die Vögel bis zu 60 Prozent weniger, behielten jedoch die Kontrolle. Womöglich liege die Hyperaktivität daran, dass der Schlaf während des Vogelzugs entkoppelt ist vom Hell-Dunkel-Zyklus, an dem sich die Dachsammern außerhalb der Reisezeiten orientieren. (af)
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