Über Jahre widersetzte sich die Antarktis dem Trend zum Meereisschwund – im Gegenteil: Die durchschnittliche Eisfläche nahm sogar lange noch ein wenig zu, während sie rund um den Nordpol über die gleiche Zeit hinweg rapide abnahm. Doch 2017 scheint sich der Trend massiv umzukehren: Am 3. März bedeckte Meereis im Südpolarmeer 2,11 Millionen Quadratkilometer – und damit mehr als 180 000 Quadratkilometer weniger als 1997 beim bisherigen Tiefststand seit Beginn moderner Aufzeichnungen. Das meldete die NASA, nachdem ihre Wissenschaftler die Satellitendaten ausgewertet hatten. Dieser negative Ausreißer kommt nur zwei Jahre nachdem in der Region Höchststände beim Meereis registriert worden waren.

Es sei noch zu früh, um von einer langfristigen Trendumkehr in der Antarktis zu sprechen, so Glaziologe Walt Meier vom Goddard Space Flight Center der NASA. "Es ist verführerisch zu sagen, dass die globale Erwärmung nun endgültig vollständig die Antarktis erreicht hat. Es könnte aber auch noch ein extremer Ausschlag der jährlichen Unterschiede bei der Eisbedeckung sein. Erst in einigen Jahren können wir absehen, ob es sich wirklich um einen signifikanten Trend handelt", erklärt Meier weiter.

Eisbedeckung der Antarktis im März 2017
© NASA Earth Observatory, Joshua Stevens
(Ausschnitt)
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Die Karte zeigt die vom Eis bedeckte Fläche der Antarktis im März 2017. Zum Vergleich zeigt die gelbe Linie den Median der Eisfläche über die letzten Jahrzehnte.

In der Arktis kann man diese Entwicklung dagegen schon länger beobachten. Doch der Winter 2016/17 überrascht selbst gestandene Polarforscher. Überdurchschnittliche Temperaturen und mehrere Hitzewellen haben selbst während der Polarnacht dem Meereis zugesetzt und seine übliche winterliche Erholung behindert. Noch nie seit Aufzeichnungsbeginn vor rund 40 Jahren bedeckte Anfang März weniger Eis das Nordpolarmeer als in dieser Saison. Die 14,42 Millionen Quadratkilometer sind noch mal rund 100 000 Quadratkilometer weniger als 2015, dem bisherigen Minusrekordjahr.

Eisbedeckung der Arktis im März 2017
© NASA Earth Observatory, Joshua Stevens
(Ausschnitt)
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Im Gegensatz zur Antarktis, wo im März der Sommer endet, erreicht das Eis am Ende des arktischen Winters sein Maximum. Doch dieses fällt 2017 ebenfalls unterdurchschnittlich aus (gelbe Linie zeigt den Median der letzten Jahrzehnte).

"Die Eissaison begann mit einem niedrigen Ausgangswert im September. Und weil das Meer vom Sommer so warm war, begann die Eisbildung nur zögerlich. Diesen Rückstand konnte das Eis nicht mehr aufholen", sagt Meier. Das bedeute zwar noch nicht automatisch, dass es auch im September einen Extremwert geben werde, denn das hänge vom Wetter der kommenden Monate ab. Aber unterdurchschnittlich werde die Bedeckung auf alle Fälle ausfallen, so der Forscher. Weltweit betrachtet sind die Zahlen jetzt schon außergewöhnlich, wie ein Vergleich zeigt. Mit einem Wert von 16,21 Millionen Quadratkilometern in der Arktis und der Antarktis liegt die Fläche um zwei Millionen Quadratkilometer unter dem Mittel der Jahre 1981 bis 2010. Dieser Fläche entspricht den Ausmaßen Mexikos.