Mittlerweile trennen nur noch rund 50 Kilometer die europäische Raumsonde Rosetta vom Kern des Kometen 67P. Bilder der Navigationskamera vom 2. September 2014, die in einem Abstand von 56 Kilometern entstanden, zeigen nun ebenfalls Hinweise auf die Aktivität des Schweifsterns. Bislang war es nur mit der wissenschaftlichen Kamera OSIRIS gelungen, die Gasstrahlen zu sichten, die vom Kern ausgehen. Auf den Bildern der Navigationskamera lässt sich nun deutlich erkennen, dass 67P vor allem im Bereich der engen Halses zwischen den beiden Hauptkörpern Gase und Staub freisetzt.

Gasjets von 67P am 2. September 2014 (aufgehellte Aufnahme)
© ESA / Rosetta / NAVCAM
(Ausschnitt)
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Bei diesem Rohbild der Halsregion des Kerns von 67P wurde die Helligkeit stark angehoben, um den Gasjet nahe der Bildmitte sichtbar zu machen. Das Bild entstand aus einer Entfernung von 56 Kilometern mit der Navigationskamera.

Noch ist die Aktivität von 67P eher als zahm aufzufassen, aber die Wissenschaftler vom Rosetta-Projekt rechnen damit, dass sich das bald ändern wird. 67P nähert sich immer weiter der Sonne an, so dass die Temperatur auf seiner Oberfläche immer weiter ansteigt. Somit wird immer mehr Wasser- und Kohlendioxideis verdampfen und in den umgebenden Weltraum entweichen. Dabei reißen die Gase auch feine Staubpartikel mit sich. Die Forscher hoffen jedoch, dass 67P bis zur Landung der Tochtersonde Philae, die für den 11. November 2014 geplant ist, noch relativ ruhig bleibt. Sonst könnte es für Philae schwierig werden, sich der Oberfläche des Kerns ungestört anzunähern. Die Sonde fliegt nach der Abtrennung von der Muttersonde Rosetta während etwa sechs bis acht Stunden passiv in Richtung Kern. Starke Gasstrahlen von der Oberfläche könnten Philae also ablenken, im schlimmsten Fall sogar den Kern verfehlen lassen.

Rohbilder des Kerns von Komet 67P vom 2. September 2014 (Bildmosaik))
© ESA / Rosetta / NAVCAM / Gertrud Felber
(Ausschnitt)
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Mittlerweile ist die Raumsonde Rosetta dem Kern des Kometen 67P so nahe, dass auch die Navigationskamera den im Mittel rund vier Kilometer großen Kern nicht mehr in einem Bild erfassen kann. Daher montierte Gertrud Felber vier Einzelbilder, die aus einem Abstand von 56 Kilometern entstanden, zu diesem Komposit von 67P.

Mit dem Ultraviolett-Spektrometer ALICE an Bord von Rosetta wurden erstmals Untersuchungen der Oberfläche von 67P durchgeführt. Die Forscher um Alan Stern am Southwest Research Institute in San Antonio, Texas, stellten fest, dass die Oberfläche in diesem Spektralbereich auffallend dunkel ist. Außerdem gelang es bisher nicht, Vorkommen von Wassereis auf der Oberfläche nachzuweisen. Dagegen zeigen sich in den Spektren schon deutliche Signaturen von Wasserstoff und Sauerstoff. Sie gehen auf Wasserdampf zurück, der vom Kometen abströmte und danach von der Ultraviolettstrahlung der Sonne zersetzt wurde. Die Forscher werden mit ALICE weiterhin nach Vorkommen von Wassereis und anderen flüchtigen Substanzen auf der Oberfläche von 67P suchen, wenn die Sonde immer näher an den Kern herankommt.