Für Katzen sind Katzen nicht nur nachts grau, sondern immer. Wie die meisten nachtaktiven Säugetiere sind sie nahezu farbenblind, sehen aber auch bei Dunkelheit noch scharf. Nur wenige Säugetiere – darunter der Mensch und andere Primaten – sind farbtüchtig. Verantwortlich für das Farbensehen sind die so genannten Zapfen auf der Netzhaut des Auges. Von diesen Sehsinneszellen gibt es drei verschiedene Typen, die Licht unterschiedlicher Wellenlänge, und damit unterschiedlicher Farbe wahrnehmen: rotes (562 Nanometer), grünes (535 Nanometer) und blaues Licht (430 Nanometer). Aus diesen drei Farben setzt das Gehirn dann die gesamte bunte Vielfalt zusammen.

Seit über hundert Jahren ging die Wissenschaft davon aus, dass dieses trichromatische Sehen in der Evolution der Primaten entstanden ist, um sicher reife Früchte zu erkennen. Nathaniel Dominy und Peter Lucas von der University of Honk Kong gingen jetzt dieser Hypothese nach. Im Kibale-Nationalpark in Uganda beobachteten sie vier verschiedene Affenarten: den Schimpansen Pan troglodytes, den Mantelaffen Colobus guereza, den Rotstummelaffen Piliocolobus badius und die Rotschwanzmeerkatze Cercopithecus ascanius. Aus den Farben der bevorzugten Nahrung versuchten die Wissenschaftler zu schließen, welche Farbwahrnehmung für die Tiere wichtig ist.

Im Gegensatz zur bisherigen Annahme entdeckten Dominy und Lucas, dass eine bichromatische Wahrnehmung mit nur zwei Farben völlig genügen würde, um wohlschmeckende, reife Früchte von den ungenießbaren zu unterscheiden. Hier kann also nicht nur Ursprung unseres trichromatischen Sehens liegen.

Die Affen ernähren sich jedoch nicht nur von Früchten. Sie greifen auch gerne auf Blätter zurück, um hiermit ihren Eiweißbedarf zu decken, wenn es einmal an reifen Früchten mangeln sollte. Dabei sind die zarten, jungen Blätter besonders nährstoffreich und leicht verdaulich. Im Gegensatz zu den gemäßigten Zonen zeigen solche Blätter im tropischen Regenwald einen leicht rötlichen Farbton. Und genau dieser, so vermuten die Forscher, ist nur mit einer sicheren Rot-Grün-Unterscheidung zu erkennen.

"Wir Menschen verdanken unsere Farbwahrnehmung unseren Primaten-Vorfahren", ist Dominy überzeugt. Er weist darauf hin, dass nur etwa drei Prozent der Affen eine Rot-Grün-Schwäche aufweisen. Beim Menschen sieht das anders aus: Etwa acht Prozent der Männer zeigen diese Farbschwäche. "Es sieht so aus," meint der Wissenschaftler, "dass sich der Selektionsdruck auf uns Menschen entspannt hat – vielleicht, weil wir seit einiger Zeit nicht mehr im Wald leben."