Forscher um Ugur Sahin von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz sind einer personalisierten Immuntherapie gegen Krebs möglicherweise einen Schritt näher gekommen. Ein Problem der Immuntherapie, die darauf abzielt, die körpereigenen Abwehrkräfte der Patienten gegen die Erkrankung zu mobilisieren, lag bisher oft darin, dass die Tumoren durch Mutationen viel zu verschieden sind, um sie alle mit einem Wirkstoff zu erschlagen. Daher sind Wissenschaftler inzwischen zum Teil dazu übergegangen, für jeden Patienten einen eigenen, maßgeschneiderten Impfstoff zu entwickeln, was allerdings enorm aufwändig und auf Abruf kaum umsetzbar ist.

Die Mainzer Wissenschaftler versuchten dieses Problem in den Griff zu bekommen, indem sie zunächst im Mausmodell unterschiedliche Tumorarten, namentlich Haut-, Dickdarm- und Brustkrebs, im Hinblick auf ihre Mutationen untersuchten und in ihre genetischen Baupläne aufschlüsselten. Dabei entdeckten die Forscher, dass bis zu 20 Prozent der Mutationen für eine Immuntherapie relevant waren – also eine körpereigene Abwehrreaktion auslösen konnten. In den meisten Fällen reagierten dabei allerdings nicht die Killerzellen der Immunabwehr, sondern die Helferzellen, die so genannten CD4-positiven T-Zellen. Auf Basis dieser Erkenntnis entwickelte das Team um Sahin einen Algorithmus, der ihnen erlaubte, relevante Mutationen möglichst schnell zu identifizieren, um sie als Grundlage für ein maßgeschneidertes Arzneimittel zu verwenden. Dieses stellten die Forscher schließlich mittels Boten-RNA her, die sich "anhand des bekannten genetischen Bauplans der Mutationen quasi als Schablone zur Herstellung eines RNA-Impfstoffs verwenden lässt". Dieser ermutigte die Helferzellen dazu, eine Abwehrreaktion gegen die entsprechenden Tumorzellen in Gang zu setzen.

Mäuse, die mit dem Impfstoff behandelt wurden, zeigten bessere Überlebenschancen als unbehandelte Tiere. Sahin und seinem Team gelang es auch bei Menschen, eine Vielzahl entsprechender Mutationen zu identifizieren, die einen Ansatzpunkt für die Immuntherapie bieten könnten. Aktuell testen die Wissenschaftler das Verfahren bereits im Rahmen einer internationalen klinischen Studie mit Hautkrebspatienten.